Brillengläser

Beschichtungen und Veredelungen

Beschichtungen und Veredelungen von Brillengläsern
Brillenglas Beschichtungen | Bild: © mediaphotos / iStockphoto.com

Beschichtungen und Veredelungen von Brillengläsern

Entspiegelung

Nicht veredelte Brillengläser spiegeln stark. Das stört beim Sehen. Die Gläser fallen durch die Spiegelbilder unangenehm auf und die Augen des Brillenträgers sind für den Betrachter nicht zu sehen. Außerdem wird Licht oft von der Rückfläche des Glases direkt ins Auge reflektiert.

Die Vorteile von entspiegelten Brillengläsern

Entspiegelte Gläser sorgen für einen natürlichen, farbgetreuen Seheindruck. Weniger reflektiertes Licht heißt dabei auch, dass mehr Licht die Gläser passieren kann. In der Dämmerung oder bei Nacht, aber auch in geschlossenen Räumen und vor dem Monitor bleiben die Augen so länger fit. Ein weiterer Vorteil: Die Brillengläser sind kaum sichtbar – ein ungehinderter Blickkontakt mit dem Gesprächspartner ist möglich.  

Innenentspiegelung

Auch eine Entspiegelung der Innenseite der Brillengläser ist möglich. So wird gewährleistet, dass es nicht zu unangenehmen Reflexionen für den Brillenträger selbst kommt. Bei fehlender Innenentspiegelung kann er seine eigenen Augen in den Gläsern sehen, was bei der täglichen Arbeit oft als störend empfunden wird. Zudem profitieren Autofahrer von diesem Service: Wer nachts auf Landstraßen fährt, kann von folgenden Scheinwerfern empfindlich geblendet werden. Das Licht wird von der Rückfläche des Brillenglases ins Auge reflektiert – eine nicht ungefährliche Situation.

So funktionieren entspiegelte Brillengläser

Bei einer Entspieglung werden verschiedene hauchdünne Schichten Magnesiumfluorid (farblose Kristalle) auf das Brillenglas aufgedampft. Deren Überlagerung schaltet bestimmte Lichtwellen mehr oder weniger aus. Je mehr Schichten, desto stärker wirkt die Entspiegelung. So entstehen die Entspiegelungsstufen.

Entspiegelungsstufen

Prinzipiell gibt es drei Entspiegelungsstufen: leicht entspiegelt, normal entspiegelt und superentspiegelt. Bei letzteren reflektieren die Gläser weniger als zwei Prozent des Lichts.

Für den Straßenverkehr und die Bildschirmarbeit ist die Superentspiegelung eine sinnvolle Investition. 

Verspiegelung

Bei der Verspiegelung von Brillen wird auf der Glasaußenseite eine farbige Beschichtung aufgedampft, z. B. in Silber oder Gold. Dadurch erscheinen die Gläser für den Betrachter weitaus heller als sie oft sind. Verspiegelte Gläser haben einen vorrangig ästhetischen Nutzen. Die Effekte reichen vom leichten Schimmer bis hin zur Totalverspiegelung. Außerdem werden Lichtreflexionen auf der Vorderseite der Glasscheibe gut abgefangen. Durch die Verspiegelungsschicht bleibt dem Betrachter verborgen, wohin der Brillenträger blickt. 

Brillengläser Spiegelung
Brillengläser Spiegelung. Bild: Zeiss

Polarisierende Brillengläser

Polarisierende Gläser vermindern schräge Lichtreflexe von spiegelnden Oberflächen wie Wasser, Sand oder Schnee.

Natürliches Sonnenlicht strahlt „unpolarisiert“ in alle Richtungen. Treffen die Lichtwellen aber auf eine glatte Oberfläche wie etwa Wasser, eine nasse Fahrbahn oder eine Schneepiste, wird das Licht reflektiert: Die Wellen werden auf eine einzige Schwingungsrichtung reduziert – sie werden „polarisiert“. Das jetzt in eine Richtung gebündelte Licht verursacht störende Blendungen für das Auge und vermindert das Kontrastsehen, was auch entspiegelte Brillengläser nicht verhindern können.  

Um diese Störung auszuschließen, wird bei polarisierenden Gläsern eine spezielle Folie auf die Brillengläser aufgebracht. Sie absorbiert die reflektierten, senkrecht ausgerichteten Lichtwellen direkt im Glas. Das waagerecht einfallende, informationstragende Licht gelangt hingegen weiterhin an die Augen.

Vorteile von polarisierenden Gläsern

Polarisierende Gläser verhindern nicht nur den Blendeffekt. Beim Blick in die Ferne erscheinen Landschaft und Umgebung auch kontrastreicher. Polarisierende Gläser eigenen sich deshalb besonders für aktive Menschen, die viel Sport treiben und ihre Freizeit gern unter freiem Himmel verbringen. Vor allem Wassersportler gehören dazu. Sie werden häufig mit den extremen Reflektionen der Wasseroberfläche konfrontiert, welche den Blick in die Tiefe verwehren. Mit polarisierenden Gläsern wird plötzlich das Leben unter Wasser erkennbar. Auch Autofahrer, die auf nassen Straßen unterwegs sind, können von polarisierenden Gläsern profitieren und gefährliche Blendungssituationen vermeiden.

Im Wintersport sind polarisierende Gläser jedoch nicht in jedem Fall ratsam. Während die Umgebung im Allgemeinen zwar als kontrastreicher wahrgenommen wird, kann sich dieser Effekt beim direkten Blick auf die Piste umkehren: Wichtige Details auf der Schneeoberfläche, etwa leicht vereiste Fahrspuren „verschwinden“. Hier sollte man den Fachmann fragen oder die Gläser vorab testen.

Phototrope Brillengläser

„Phototrope“ oder „selbsttönende“ Gläser werden, je nach Intensität der UV-Strahlung, automatisch heller oder dunkler. Sie passen sich also von selbst den wechselnden Lichtverhältnissen an. 

Selbsttönende Brillengläser. Grafik: KGS

So funktionieren selbsttönende Gläser

Die automatische Veränderung der Tönungsintensität basiert auf einer chemisch-physikalischen Reaktion bestimmter Substanzen, die den Gläsern beigefügt werden.

Je intensiver die Sonne scheint, umso stärker entfalten sich die Moleküle dieser Stoffe und desto mehr verdunkeln sich dann die Gläser. Nimmt die Sonne ab, tritt der entgegengesetzte Effekt ein: Die Gläser hellen sich auf.

Über den Tönungsgrad der Gläser entscheidet die Stärke des Sonnenlichts. Phototrope Gläser erreichen heute eine Verdunkelung von bis zu 90 Prozent. Dafür benötigen einige nur 15 bis 30 Sekunden, der Durchschnitt aber eine bis eineinhalb Minuten. Der Aufhellungsprozess dauert etwas länger: Die mittlere Aufhellung ist in eineinhalb bis zwei Minuten erreicht, vollständige Klarheit nach ca. 8-10 Minuten. 

Qualitätskriterien bei der Wahl selbsttönender Gläser

Selbsttönende Brillengläser sollten sich schnell den wechselnden Lichtverhältnissen anpassen. Für einen optimalen Blendschutz bei Sonnenlicht müssen sie wirklich dunkel – und in Innenräumen wieder komplett klar werden – und zudem noch einen 100-prozentigen UV-Schutz bieten.

Die Qualitäts- und Leistungsunterschiede von selbsttönenden Brillengläsern können groß sein. Hier lohnt es sich, beim Augenoptiker nachzufragen.

Vorsicht Autofahrer: Viele selbsttönende Gläser eignen sich nicht zur Nutzung hinter dem Steuer. Sie reagieren nämlich auf UV-Licht, das aber durch die Autoscheiben schon zum größten Teil herausgefiltert wird – und ohne UV-Wirkung dunkeln die Gläser nicht ein.

Vorteile selbsttönender Gläser 

  • Bequem: kein Wechsel zwischen Korrektions- und Sonnenbrille
  • Tönung immer passend zu den gerade vorherrschenden Lichtverhältnissen
  • Entspanntes Sehen – auch bei lichtempfindlichen Augen
  • Geringere Ermüdung – bei einem langem Tag mit ständig wechselnden Lichtverhältnissen

Beschichtungen gegen Schmutz und Wassertropfen

Zu einer klaren Sicht verhelfen Brillengläser nur, wenn sie sauber sind. Ständiges Putzen nervt aber die meisten Brillenträger. Hier wirken schmutzabweisende Beschichtungen wie ein „Wettermantel“: Die glatte Glasoberfläche verhindert, dass Schmutz und Hautfette haften bleiben. Auch Wasser perlt einfach ab. Diese Wirkungsweise wird auch „Lotus-Effekt“ genannt.

Beschichtungen gegen Kratzer

Die meisten Kunststoffgläser werden heute mit einer elastischen, ultraklaren Hartschicht ausgeliefert. Sie reicht an die Kratzfestigkeit von Mineralgläsern heran und schützt vor Kratzern und mechanischen Einwirkungen. Eine Oberflächenhärtung der Brillengläser ist eine Investition, die sich immer lohnt. Schon kleinste Beschädigungen der Oberfläche streuen das einfallende Licht und beeinträchtigen unbewusst das Sehen. Kopfschmerzen und vorzeitige Ermüdung können die Folgen sein.

Brillengläser Beschichtung
Brillengläser mit Beschichtung. Bild: Zeiss

Beschichtungen gegen das Beschlagen

Antibeschlag-Beschichtungen verhindern, dass die Brillengläser beim Wechsel von einer kalten in eine warme Umgebung „anlaufen“. Sie sind jedoch nur wirksam in Kombination mit einem Spray, das auf das beschichtete Brillenglas aufgesprüht wird. Dadurch entsteht erst eine hydrophile Glasoberfläche, die dafür sorgt, dass die Gläser nicht beschlagen. Der Vorteil für Brillenträger: Klare Sicht auch dann, wenn das Wetter wieder einmal verrückt spielt.