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Risikogruppen im Straßenverkehr: Gefahren erkennen – Sicherheit gewinnen

KGS Presse-Themenservice Risikogruppen im Straßenverkehr: Gefahren erkennen – Sicherheit gewinnen
Presse-Themenservice: Risikogruppen im Straßenverkehr

Wer schlecht sieht, fährt volles Risiko – auch mit tödlichen Folgen. Fatal: Viele Kraftfahrer irren bei der Selbsteinschätzung ihres Sehvermögens. Nur regelmäßige Sehtests bringen Gewissheit über die tatsächliche Fahrtauglichkeit. Für fehlsichtige Kraftfahrer gibt es geeignete Sehhilfen.

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3275 Tote und 396.000 Verletzte auf Deutschlands Straßen – das weist die Verkehrsunfallstatistik 2018 aus. Was sich nüchtern liest, ist aber alarmierend. Wo lauern die Gefahren? Ein Risikofaktor im Straßenverkehr ist der Mensch mit seinen Schwächen und Fehlern.

Unfallursache Mensch
Infografik: Faktor Mensch als Unfallursache | Quelle: Kuratorium Gutes Sehen e.V.

Für die sichere Fahrt ist das Sehen ein Schlüssel: Neun von zehn Informationen nehmen die Augen auf. Laut Experten gehen 300.000 Verkehrsunfälle pro Jahr auf das Konto mangelnder Sehleistung. Viele Menschen schätzen ihr Sehvermögen am Steuer falsch ein. Auch weil sie nicht bemerken, wie sich ihr Sehen schleichend verschlechtert. Regelmäßiger Sehtest? Fehlanzeige für die meisten Kraftfahrer in Deutschland! Sie müssen nur einmal zum Augencheck: vor der Fahrerlaubnisprüfung.

Verkehrsunfälle: Senioren und junge Kraftfahrer im Fokus

Die über 75-Jährigen, gut elf Prozent der Bevölkerung, verschuldeten im Jahr 2018 zwar nur 9,2 Prozent aller Crashs, aber zu drei Viertel der Fälle waren sie Hauptunfallverursacher. Der höchste Wert aller Altersklassen!

Vorfahrt missachtet, falsch abgebogen oder gewendet, falsch rückwärts gefahren, eingefahren oder angefahren – diesem Fehlverhalten an sogenannten Knoten gehen auch Wahrnehmungsdefizite voraus. Hier fallen Fahrer jenseits der 65 bei Unfällen mit Personenschaden besonders auf.

Crash Ursachen bei Jung und Alt
Infografik: Die Fehler machten Jung und Alt am meisten | Quelle: Kuratorium Gutes Sehen e.V.

Junge Kraftfahrer sind am stärksten gefährdet und rasant unterwegs. Mehr als elf Prozent aller Verkehrstoten und mehr als 15 Prozent aller Verletzten gehörten 2018 zur Gruppe der 18- bis 24-Jährigen, die nur knapp acht Prozent der Bevölkerung ausmachen. Bei fast jedem fünften Unfall mit Personenschaden wurde jungen Erwachsenen Raserei beziehungsweise unangepasste Geschwindigkeit vorgehalten.

Kraftfahrer in Deutschland: die meisten fahrtauglich auf Lebenszeit

Gesetze regeln in Deutschland die Teilnahme am Straßenverkehr und die Fahreignung. Einheitlichkeit für alle Kraftfahrer? Weit gefehlt. 

Deutschland: Fahreignungschecks mit Lücken

Grundsätzlich gilt: Verkehrsteilnehmer dürfen andere weder schädigen noch gefährden. Und: Zum Führen von Kraftfahrzeugen sind Personen nur geeignet, wenn sie die körperlichen und geistigen Anforderungen erfüllen. Die Umsetzung dieser Forderungen regelt die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) – auch was das Sehvermögen betrifft.

Hierzulande ist jedoch Kraftfahrer nicht gleich Kraftfahrer. Mopedfahrer, Motorradfahrer und Autofahrer sind per Gesetz nur ein einziges Mal zum Sehtest verpflichtet – wenn sie ihren Führerschein machen. Das heißt im Klartext: Fahrtauglich auf Lebenszeit. Wer aber am Steuer eines Lkw, Busses, Taxis oder Krankenwagens sitzt, muss alle fünf Jahre einen Gesundheitscheck und einen Sehtest absolvieren.

Fahrtauglichkeitsprüfung für Führerscheinbesitzer
Infografik: Regelmäßige Fahrtauglichkeitsprüfung nicht für alle Führerscheinbesitzer Pflicht | Quelle: Kuratorium Gutes Sehen e.V.

Europa: in vielen Ländern mehr Fahreignungschecks

Der Großteil Europas fordert Kraftfahrer zu mehr Gesundheitschecks und mehr Sehtests auf. Das betrifft besonders Senioren. Einen Gesundheitscheck inklusive Sehtest müssen zum Beispiel Kraftfahrer in Spanien alle zehn Jahre, ab 65 alle fünf Jahre absolvieren oder in Italien alle zehn Jahre und ab 70 alle drei Jahre.

So beugen Kraftfahrer Risiken vor

Wenn Gesetze hierzulande keine regelmäßige Kontrolle der Sehleistung vorschreiben, kann jeder selbst etwas für mehr Fahrsicherheit tun. Die einfache Forderung: freiwillig regelmäßiger Check des Sehvermögens beim Augenoptiker, Optometristen oder Augenarzt. Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgt, wer sich in seinem Kraftfahrer-Leben an folgende Sehtest-Faustregel hält:

  • nach Führerscheinsehtest alle drei bis vier Jahre,
  • bei Kurzsichtigkeit bis zum 30. Lebensjahr jährlich,
  • mit Einsetzen der Alterssichtigkeit ab dem 40. Lebensjahr alle zwei Jahre,
  • ab 60 Jahren jedes Jahr.

Selbst-Sehchecks liefern erste Hinweise auf mögliche Sehschwächen. ABER: Sie ersetzen nicht den professionellen Sehtest beim Augenoptiker, Optometristen oder Augenarzt!

Risikogruppen im Straßenverkehr

Selbst mit Fahrerassistenzsystemen oder beim autonomen Fahren in der Zukunft – in kritischen Situationen muss der Mensch selbst das Steuer in die Hand nehmen. Er muss dann dazu in der Lage sein: mit den Augen und allen anderen Sinnen, mit seiner Fitness und Reaktionsfähigkeit. Bestimmte Risikogruppen geraten besonders ins Visier.

Junge Fahrer: zu schnell, unerfahren, mit Mängeln bei Sehen und Wahrnehmung

Imponiergehabe, Selbstdarstellung, Risikobereitschaft – bei jungen Fahrern äußert sich das oftmals als unangemessener Tritt aufs Gaspedal. Zudem fehlt es ihnen noch an Fahrkompetenz, sie überschätzen ihre Fähigkeiten am Steuer, erkennen Gefahren nicht ausreichend oder lassen sich ablenken.

Gegenüber erfahrenen Fahrern haben junge auch Mängel beim Sehen und bei der Wahrnehmung:

  • Sie erfassen das Verkehrsgeschehen noch nicht so effektiv aus den Augenwinkeln (peripheres Sehen).
  • Sie lenken den Blick auf weniger und eher unbewegliche Objekte.
  • Sie schauen mehr direkt vors Fahrzeug als in die Ferne.
  • Sie nutzen die Spiegel weniger. 

Außerdem wird die Jugend zunehmend kurzsichtig. Dazu trägt heute auch der Dauerblick auf Smartphones und Computer-Bildschirme bei. Wer dann nur noch bis zum Armaturenbrett scharf sieht, hat ein lebensgefährliches Problem. Aus Tempo 100 eine Sekunde zu spät auf ein Hindernis reagieren bedeutet, 28 Meter später aufs Bremspedal zu treten.

Auch Alkohol und Drogen trüben die klare Sicht. Das reicht von mangelnder Entfernungseinschätzung über Tunnelblick, Doppeltsehen, Blendempfindlichkeit bis hin zu Rotschwäche.

Mobil. Aber sicher!

Tipps für junge Kraftfahrer

  •  Kein Alkohol und keine Drogen am Steuer
  •  Während der Fahrt Finger weg von Handys
  •  Am besten alle drei bis vier Jahre zum Sehtest; aber bei vorhandener Fehlsichtigkeit, etwa Kurzsichtigkeit, jährlich zur Kontrolle
  • Sehschwächen mit Brille oder Kontaktlinsen korrigieren
  • Fahrsicherheitstrainings nutzen

Ältere Fahrer: begrenzt fahrfit und mit altersbedingten Sehdefiziten

Die Generation Ü65, zukünftig ein immer größerer Teil der Bevölkerung, ist aktiv, mobil und hält gern noch selbst das Steuer in der Hand. Dagegen ist erst einmal nichts einzuwenden. Jahrzehntelange Fahrpraxis macht sie zu Verkehrsteilnehmern mit hoher Fahrkompetenz. Doch mit dem Altern gehen Einschränkungen einher – das ist ganz normal. So lassen Hörvermögen, Sehfähigkeit, Beweglichkeit, Konzentration und Informationsverarbeitung mehr oder weniger nach. Diese Fähigkeiten sind im Straßenverkehr sicherheitsrelevant, Defizite ein Risikofaktor.

Altersbedingte Sehdefizite betreffen besonders Sehschärfe, Sehen bewegter Objekte, Lichtempfindlichkeit, Dämmerungs- und Nachtsehen, Blendempfindlichkeit, Streulicht, Anpassung des Auges bei Hell-Dunkel-Wechsel, Kontrastsehen, Farbsehen, Gesichtsfeldwahrnehmung und räumlichem Sehen. Die ab etwa Mitte 40 einsetzende Alterssichtigkeit (Presbyopie) verstärkt sich. Durch Erkrankungen wie Grünen Star (Glaukom), Diabetes, Schlaganfall oder Kopfverletzungen kann es zu Gesichtsfeldausfällen mit höchster Unfallgefahr kommen. Ein typisches Altersleiden ist die als Grauer Star (Katarakt) bezeichnete Linsentrübung – dabei verschlechtert sich das klare Sehen schleichend. Besonders hoch ist das Risiko bei altersbedingter Makuladegeneration (AMD): Unscharfes und verzerrtes Sehen, starke Blendempfindlichkeit und blinde Stellen im zentralen Gesichtsfeld sprechen gegen eine sichere Fahrt.

Mobil. Aber sicher!

Tipps für ältere Kraftfahrer

  • Ab 60 Jahren jedes Jahr zum Sehtest
  • Sehschwächen mit Brille oder Kontaktlinsen korrigieren, von Augenoptiker oder Augenarzt beraten lassen
  • Regelmäßig beim Augenarzt auf Erkrankungen, etwa Grauen Star und Grünen Star, untersuchen lassen
  • Bei Sehproblemen im Dunkeln auf Fahrten in der Dämmerung und nachts verzichten
  • Bei längeren Fahrten Pausen einlegen, zu lange Fahrten meiden
  • Regelmäßige Gesundheitschecks
  • Für die Fitness Spaziergänge, Bewegungsübungen, Gedächtnistraining
  • Fahrtrainings, Fahrfitnesschecks und Mobilitätsprogramme für Senioren nutzen

Fahrer mit Sehmängeln im Dunkeln

Nachgewiesen ist, dass jeder fünfte Autofahrer von Nachtsehstörungen betroffen ist. Das bemerken viele auch selbst. So meinen fast 40 Prozent der Nichtbrillenträger und ein Drittel der Brillenträger, nachts nicht mehr so gut zu sehen. Ab dem 50. Lebensjahr nimmt die Sehschärfe bei Dämmerung und Dunkelheit naturgemäß ab – schleichend. Dunkelheitsunfälle älterer Kraftfahrer lassen sich auf Trübungen von Hornhaut, Linse und Glaskörper des Auges, auf Erkrankungen von Makula (gelbem Fleck) und Sehnerv zurückführen. Unfallursache kann aber auch die altersbedingte Verschlechterung der visuellen Wahrnehmung generell sein.

Altersunabhängig gibt es Menschen, die nur bei Dunkelheit kurzsichtig sind. Einige Nachtkurzsichtige brauchen tagsüber gar keine Brille, für besseres Sehen im Dunkeln bekommen sie eine spezielle Brille.

Übrigens: Echte Nachtblindheit, bei der die Stäbchen in der Netzhaut defekt sind, gibt es äußerst selten. Sie ist meistens vererbt.

Fahrer mit Defiziten durch Krankheit und Medikamente

Die Fahreignung kann durch bestimmte Krankheiten beeinträchtigt oder gar aufgehoben sein, weil sie ein enormes Gefahrenpotenzial im Straßenverkehr haben. Dazu gehören bestimmte Formen von Herz- und Gefäßerkrankungen, von psychischen Störungen, Niereninsuffizienz oder Alkoholismus.

Diabetiker müssen auf ihren Blutzuckerspiegel achten, damit Unterzuckerung nicht zu einem Unfall führt. Sie haben ein weiteres Risiko: das diabetische Auge (diabetische Retinopathie, diabetische Makulopathie). Dabei schädigt dauerhaft zu hoher Blutzucker die Netzhaut des Auges. Weil im Anfangsstadium keine Beschwerden auftreten, ist zur Früherkennung die regelmäßige Kontrolle beim Augenarzt besonders wichtig.

Kraftfahrer müssen bei Medikamenten äußerste Vorsicht walten lassen. Hände weg vom Steuer, wenn Betäubungsmittel und Psychopharmaka eingenommen werden. Doch auch rezeptfreie Mittel können das Sehvermögen und die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen und damit die Unfallgefahr erhöhen. Das fängt schon bei Mitteln gegen Schmerzen, Husten oder Allergien an. In diesen Fällen unbedingt den Arzt oder den Apotheker nach Einschränkungen der Verkehrstüchtigkeit fragen und natürlich auch den Beipackzettel lesen.

Sicher fahren mit Brille oder Kontaktlinsen

Dunkelheit, Blendung, Licht und Schatten – nicht nur in diesen Situationen fühlen sich fehlsichtige Kraftfahrer unsicher. Mit der passenden Sehhilfe steuern sie entspannter und mit weniger Unfallrisiko durch den Verkehr.

Brillen für Kraftfahrer

In Deutschland tragen mehr als 34 Millionen Kraftfahrer eine Brille. Für Autofahrer und Biker gibt es Brillen mit Einstärkengläsern oder Gleitsichtgläsern. Die Brillen sollten große Gläser, schmale Bügel und schmale Fassungsränder haben, um das Sichtfeld nicht einzuschränken. Zusätzliche Ausstattungen der Gläser in Form von Beschichtungen und Filtern minimieren Reflexionen und Spiegelungen oder verbessern das Kontrastsehen.

Getönte Brillengläser oder Sonnenbrillen reduzieren die Blendung durch Sonnenlicht. Für den Straßenverkehr eignen sich die Glasfarben Braun, Grau oder Graugrün am besten, weil sie die natürlichen Umgebungsfarben am wenigsten verfälschen – Ampeln und Bremslichter sind gut erkennbar. Brillengläser der Tönungsstufe 4 sind für Kraftfahrer tabu: Sie sind zu dunkel. Auch von Gelbfilterbrillen ist abzuraten, da Fahrten im Dunkeln zur Gefahr werden können. Selbsttönende Gläser (phototrope Gläser) bringen im Auto mitunter nicht den gewünschten Effekt, wenn sie sich nur unter UV-Licht eindunkeln. Windschutzscheiben aber filtern zum Großteil die UV-Strahlung.

Die Seh-Lösung für den Straßenverkehr

Optimierte Brillengläser für Kraftfahrer

  • Optimale Anordnung der Sehbereiche, um sowohl Straßenführung und Verkehrsschilder als auch Armaturen und Navigationsgerät scharf zu sehen.
  • Extra breites Sichtfeld, um Straßenrand und Außenspiegel mit schneller Blickbewegung zu erfassen.
  • Weniger Blendung – vor allem nachts durch Xenon- und LED-Licht.
  • Besseres Kontrastsehen bei widrigen Witterungsbedingungen und nachts.
  • Schutz vor Reflexionen und Spiegelungen.

Kontaktlinsen für Kraftfahrer

Keine Brillenfassung stört, keine Brillengläser beschlagen, das Gesichtsfeld ist frei: Von diesen Vorteilen der Kontaktlinsen profitieren auch Autofahrer. Wer allerdings bei Nachtfahrten mit Mehrstärkenlinsen Probleme hat, trägt besser eine Brille oder Einstärken-Kontaktlinsen.

Vorsicht: Ein No-Go am Steuer sind Farb- und Motivlinsen. Sie können das Gesichtsfeld einschränken und zum Sicherheitsrisiko werden.


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Inhaltsverzeichnis

  • Risikogruppen im Straßenverkehr (Word- und PDF-Dokumente)
  • Junge Fahrer: rasant unterwegs 
  • Ältere Fahrer: begrenzt fahrfit
  • Fahrer mit Sehmangel im Dunkeln: riskant
  • Kranke Fahrer: akut gefährdet
Veröffentlicht am 21.08.2019