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Anisometropie: Unterschiedliche Sehstärke links rechts
Sehschwäche

Anisometropie: Wenn beide Augen unterschiedlich sehen

Anisometropie ist eine Fehlsichtigkeit, bei der beide Augen unterschiedliche Brechkraftwerte aufweisen. Betroffene haben auf dem einen Auge eine deutlich andere Sehstärke als auf dem anderen.

Anisometropie: Unterschiedliche Sehstärke links und rechts | Bildquelle: © skynesher / iStockphoto.com
Experte Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Wesemann Lesezeit Statistik

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass beide Augen gleich gut sehen. Doch bei manchen unterscheiden sich die Sehstärken. Ist diese Abweichung deutlich ausgeprägt, spricht man von einer Anisometropie.

In Deutschland wird das häufig schon im Kindes- oder Schulalter festgestellt und mit einer passenden Brille ausgeglichen. Danach sehen in der Regel beide Augen scharf. Weil das Gehirn aber zwei unterschiedlich starke Seheindrücke zu einem gemeinsamen Bild verbinden muss, kann das Zusammenspiel beider Augen manchmal problematisch werden.

Was bedeutet Anisometropie?

Von einer Anisometropie spricht man, wenn beide Augen unterschiedlich stark fehlsichtig sind. Ein Auge kann zum Beispiel deutlich kurzsichtig sein, während das andere normal oder leicht weitsichtig ist.

Kleine Unterschiede sind häufig und können mit einer Brille gut ausgeglichen werden. Bei größeren Abweichungen, etwa ab 2 Dioptrien, wird das Zusammenspiel beider Augen anspruchsvoller. Dann muss das visuelle System stärker arbeiten, um aus zwei unterschiedlichen Bildern einen gemeinsamen Seheindruck zu erzeugen.

Formen der Anisometropie

  1. Bei der Brechwertanisometropie sind beide Augen gleich lang, unterscheiden sich aber in der Brechkraft von Hornhaut oder Linse.
  2. Bei der Längenanisometropie sind die Augäpfel unterschiedlich lang. Diese Form ist häufiger und oft angeboren.

Welche Beschwerden können auftreten?

Sind die Unterschiede gering, bleiben Beschwerden oft aus. Bei stärkeren Unterschieden berichten Betroffene von:

  • Kopfschmerzen nach längerer Naharbeit
  • müden oder brennenden Augen
  • Schwierigkeiten beim Scharfstellen
  • Schwierigkeiten beim Wechsel zwischen Ferne und Nähe
  • Problemen beim räumlichen Sehen
  • Unsicherheit beim Treppensteigen oder im Straßenverkehr

Ohne Brillenkorrektur kommt es oft zur sogenannten Suppression. Dabei unterdrückt das Gehirn die Eindrücke des schwächeren Auges, um kein störendes Doppelbild entstehen zu lassen. Viele Betroffene bemerken den Unterschied deshalb erst, wenn sie ein Auge abdecken. Erst dann wird deutlich, wie unterschiedlich beide Augen tatsächlich sehen.

Anisometropie: Symptome bzw. Beschwerden | Bildquelle: © milorad kravic / iStockphoto.com Eine Frau zeigt Anisometropie Symptome und hat Beschwerden wie z. B. Kofschmerzen

Wie entsteht eine Anisometropie?

Eine Anisometropie ist angeboren oder die Augen entwickeln sich schon im Kindesalter unterschiedlich. Im Erwachsenenalter kann sie neu entstehen, etwa wenn sich die Kurzsichtigkeit auf beiden Augen unterschiedlich verändert. Auch Erkrankungen, Verletzungen oder Operationen kommen als Auslöser infrage, zum Beispiel nach einer Operation des Grauen Stars, wenn zunächst nur ein Auge operiert wurde.

Warum ist die Früherkennung einer Anisometropie bei Kindern so wichtig?

Bleibt eine ausgeprägte Anisometropie im Kindesalter unbehandelt, kann sich das schlechter sehende Auge nicht ausreichend entwickeln. Es entsteht eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie), die später nicht mehr heilbar ist.

Etwa 3 bis 4 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben eine messbare Anisometropie. Rund 49 Prozent der Amblyopie-Fälle bei Kindern stehen im Zusammenhang mit einer unbehandelten Anisometropie.

Warnzeichen können Schielen, häufiges Augenreiben oder Unsicherheit beim Spielen sein. Bei einem entsprechenden Verdacht sollte dringend eine augenärztliche Untersuchung erfolgen.

Die Behandlung beginnt oft mit einer Brille oder Kontaktlinsen. Hat sich bereits eine Amblyopie entwickelt, kann zusätzlich eine Okklusionstherapie notwendig sein: Das bessere Auge wird zeitweise abgedeckt, um das schwächere gezielt zu fördern.

Anisometropie: Früherkennung bei Kindern | Bildquelle: © miodrag ignjatovic / iStockPhoto.com Anisometropie Kinder

Anisometropie im Erwachsenenalter

Eine Anisometropie kann seit der Kindheit bestehen oder sich erst später entwickeln. Ab etwa 45 Jahren kommt häufig Alterssichtigkeit hinzu, wodurch die Anforderungen an die Sehhilfe steigen.

In diesem Zusammenhang kann auch eine Aniseikonie auftreten. Dabei entstehen unterschiedlich große Bilder auf der Netzhaut, die Kopfschmerzen, Schwindel oder Orientierungsprobleme verursachen können.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bis etwa 3 Dioptrien lässt sich eine Anisometropie meist mit einer Brille ausgleichen. Bei größeren Unterschieden fällt es dem Gehirn schwerer, beide Seheindrücke aufeinander abzustimmen, sodass das räumliche Sehen beeinträchtigt sein kann.

Bei höheren Dioptrien-Unterschieden werden Kontaktlinsen oft besser vertragen. Sie sitzen direkt auf dem Auge und verursachen dadurch kaum Unterschiede in der Bildgröße. Das Gehirn kann beide Eindrücke leichter zu einem Gesamtbild verbinden.

Bei nicht allzu stark ausgeprägter Anisometropie kann auch eine Laserbehandlung infrage kommen. Voraussetzung sind stabile Sehwerte und gesunde Augen.

Was zahlt die Krankenkasse?

Bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten für Sehhilfen in der Regel vollständig.

Bei Erwachsenen werden die Kosten nur unter bestimmten Voraussetzungen übernommen. Häufig wird ein Festbetrag für eine Grundversorgung erstattet.

Häufige Fragen

Wie häufig ist Anisometropie?

Etwa 3 bis 5 Prozent der Bevölkerung haben eine stärker ausgeprägte Anisometropie mit mehr als 2 Dioptrien Unterschied.

Ist Anisometropie heilbar?

Eine Heilung ist nicht möglich. Mit der passenden Sehhilfe lässt sich die Fehlsichtigkeit aber gut ausgleichen.

Ist Autofahren mit Anisometropie möglich?

Ja, sofern die gesetzlichen Sehanforderungen mit Sehhilfe erfüllt werden.

Ist Anisometropie angeboren?

Häufig entwickelt sie sich in den ersten Lebensjahren, kann aber auch später durch Erkrankungen, Verletzungen oder Operationen entstehen.

Unterschied zwischen Anisometropie und Amblyopie

Eine Anisometropie bedeutet zunächst nur unterschiedliche Sehstärken beider Augen. Mit der passenden Korrektur sehen in der Regel beide Augen scharf.

Eine Amblyopie hingegen ist eine Schwachsichtigkeit, bei der ein Auge dauerhaft schlechter sieht, obwohl es organisch gesund ist. Sie kann entstehen, wenn eine stärker ausgeprägte Anisometropie im frühen Kindesalter unentdeckt bleibt.

Allerdings führt nicht jede Anisometropie zu einer Amblyopie. Entscheidend sind eine frühe Untersuchung und eine rechtzeitige Korrektur.

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