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Mehrstärkengläser ausgehangen: Bifokalgläser und Trifokalgläser
Brillengläser & Beschichtungen

Mehrstärkengläser

Mehrstärkengläser: Bifokalgläser und Trifokalgläser | Bildquelle: © Scott van Daalen / Unsplash.com
Experte Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Wesemann
Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Wesemann

Dieser Artikel wurde fachlich geprüft von:

Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Wesemann (Web-Profil)

Augenoptiker, habilitierter Medizin-Physiker, wissenschaftlicher Berater des Kuratorium Gutes Sehen e.V.

Dr. Wolfgang Wesemann studierte Physik, Mathematik, Chemie und Astronomie an den Universitäten Hamburg und München, promovierte 1983 und habilitierte sich 1994 im Fach Medizinische und Ophthalmische Optik. Von 1989 bis 2016 leitete er die Höhere Fachschule für Augenoptik Köln. Seit 2001 begleitet er das KGS als wissenschaftlicher Berater und unterstützt die fachliche Prüfung und verständliche Aufbereitung von Inhalten.

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Letzte Änderung 3. Juli 2026 Lesezeit Statistik

Für Fehlsichtige, die sowohl eine Korrektion für die Ferne als auch für die Nähe benötigen, kann das ständige Wechseln zwischen einer Nah- und einer Fernbrille ziemlich lästig werden. Hier bringt eine Brille mit Mehrstärkengläsern Vorteile. Bei Mehrstärkenbrillen sind die Gläser so geschliffen, dass mehrere Zonen für unterschiedliche Entfernungen eingearbeitet sind. Mehrstärkengläser korrigieren entsprechend das Sehen in die Ferne und zugleich im Nahbereich. Eine Umstellung von Einstärkengläsern zu Mehrstärkengläsern kann anfangs zu Schwierigkeiten beim Sehen führen: Die Augen müssen sich erst an die Blickrichtungen mit unterschiedlichen Korrektionswerten gewöhnen. Doch in der Regel kommt der Brillenträger bereits nach kurzer Zeit bestens mit der neuen Sehhilfe zurecht.

Bifokalgläser (Zweistärkenglas)

Bifokalgläser beinhalten zwei verschiedene Sehzonen. Im unteren Brillenglasbereich befindet sich der Leseteil, im oberen, meist größeren Glasbereich, die Korrektion für die Ferne. Beide Sehbereiche sind aber sichtbar, ohne gleitenden Übergang, voneinander getrennt.

Bifokalgläser werden heute allerdings aufgrund der Vorteile von Gleitsichtgläsern kaum noch zur Korrektion von Alterssichtigkeit verwendet. Bei Bifokalgläsern empfiehlt sich ebenso wie bei Trifokalgläsern mineralisches Glas, da dieses verschiedene Materialien problemlos miteinander verschmelzen kann und somit keine spürbare Trennkante entsteht.

Trifokalgläser (Dreistärkenglas)

Trifokale Brillengläser – auch Dreistärkengläser genannt – verhelfen zu gutem Sehen im Nah-, Mittel- und Fernbereich. Der Sehbereich für die mittleren Entfernungen sitzt dabei mittig, der für die Ferne oben und der für die Nähe unten. Auch bei Trifokalgläsern ist die Trennlinie zwischen den einzelnen Sehbereichen deutlich erkennbar. Das Auge muss sich an die Übergänge gewöhnen. Die Trifokalbrille wurde inzwischen – noch mehr als die Bifokalbrille – fast vollständig durch die Gleitsichtbrille ersetzt.

Vor- und Nachteile von Bifokalgläsern und Trifokalgläsern

Vorteile

  • Scharfes Sehen im Nah- und Fernbereich mit nur einer Brille
  • Finanziell attraktiv

Nachteile

  • deutlich sichtbare Trennlinie zwischen den Glasstärken (wenig attraktiv)
  • harter Übergang zwischen den Korrektionsbereichen erschwert die Verträglichkeit für den Brillenträger (Bildsprung)
  • Beim Treppensteigen muss der Blick stark gesenkt werden, um ein klares Bild zu in der richtigen Sehzone zu erwischen (Verspannungen)

Aufgrund der aufgeführten Nachteile und dem Fehlen eines fließenden Übergangs zwischen den Sehzonen sind Mehrstärkengläser von diesem Typus eine technisch etwas „in die Jahre“ gekommene Lösung.

Gleitsichtgläser

Gleitsichtgläser vereinen mehrere Sehlösungen in einem Glas. Im Unterschied zu Bi- und Trifokalgläsern geht die Korrektion dabei stufenweise oder eben „gleitend“ von oben nach unten und (in der Regel) von der Fern- in die Nahsicht über. Da die unterschiedlichen Sehbereiche auf dem Gleitsichtglas fließend ineinander greifen, ist dem Brillenträger nicht anzusehen, dass er eine Unterstützung beim Nahsehen braucht.

Was kosten Mehrstärken- und Gleitsichtgläser?

Die Preisspanne bei Mehrstärkengläsern ist groß – und das hat nachvollziehbare Gründe. Einfache Bifokalgläser sind bereits ab etwa 50 bis 200 Euro pro Glas erhältlich. Gleitsichtgläser beginnen als Standardausführung bei rund 100 bis 200 Euro pro Glas; individuell gefertigte Gleitsichtgläser, die auf Ihr persönliches Sehverhalten abgestimmt werden, liegen je nach Ausführung zwischen 300 und 1.000 Euro pro Glas. Da in der Regel zwei Gläser benötigt werden, verdoppeln sich diese Beträge – das Brillengestell kommt hinzu.

Entscheidend für den Preis ist vor allem das Glasdesign: Je breiter die nutzbaren Sehbereiche und je sanfter die Übergänge zwischen Nah- und Fernzone, desto aufwendiger die Fertigung. Auch Material (etwa dünn geschliffene Gläser mit hohem Brechungsindex) und Veredelungen wie Entspiegelung, Hartschicht und UV-Filter beeinflussen die Kosten.

Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich nur bei erheblicher Fehlsichtigkeit mit Festbeträgen, die einen Teil der Glaskosten abdecken. Welche Ausstattung für Sie sinnvoll ist – und wo Sie sparen können, ohne beim Sehkomfort Abstriche zu machen –, klären Sie am besten im Beratungsgespräch mit Ihrem Augenoptiker.

Siehe auch: Gleitsichtbrille

Nahbereichsgläser

Nahbereichsgläser (Degressive Nahgläser) sind „die kleinen Schwestern“ von Gleitsichtgläsern. Sie haben ebenfalls Sehzonen für unterschiedliche Entfernungen, die gleitend ineinander übergehen. Nahbereichsgläser ermöglichen ein hervorragendes „Nahsehen“, unterstützen aber auch den mittleren Sehbereich. Sie sind die überlegene Hightech-Alternative zur einfachen Lesebrille und eignen sich bestens für Schreibtischarbeiten.

Bildschirmarbeitsplatzgläser

Ein Bildschirmarbeitsplatz stellt ganz spezielle Anforderungen ans Sehen – und damit an die Brillengläser: Immer wieder wandern die Augen vom Monitor zur Tastatur, zu den Unterlagen auf dem Schreibtisch und wieder zurück. Entscheidend ist dabei der Sehabstand zum Bildschirm, der meist zwischen 50 und 80 Zentimetern liegt. Genau für diesen Bereich gibt es spezielle Gleitsichtgläser für den Bildschirmarbeitsplatz.

Siehe auch: Bildschirmarbeitsplatzbrille

Spezial-Brillengläser

Für Berufe und Freizeitaktivitäten mit filigranen Arbeiten (z. B. Zahntechniker, Chirurgen, Goldschmiede- und Handarbeiten) gibt es individuell angepasste Brillengläser. Das gilt ebenso für Hobbys wie Kochen oder Handwerken. Auch Piloten und Musiker können von Spezialgläsern profitieren: Piloten müssen die Bedien- und Kontrollelemente im Cockpit des Flugzeuges in mittlerer Sehdistanz erkennen, aber auch scharf in die Ferne sehen können. Musiker wiederum sind darauf angewiesen, jederzeit Instrument, Notenpult und Dirigent gut im Blick zu haben. Auch für diese Sehanforderungen sind individuell angepasste Gläser eine gute Lösung.

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