Sehtest
Rund ums Auge

Der Sehtest – für die Gesundheit unserer Augen

Wann ist die beste Zeit für einen Sehtest? Kurzsichtig oder Weitsichtig, Sehtest beim Augenoptiker | Quelle: © FXQuadro / iStockphoto.com
Experte Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Wesemann Lesezeit Statistik

Unsere Augen liefern über 90 Prozent aller Sinneseindrücke. Sie bringen uns die Welt scharf, bunt, räumlich und sogar im Dunkeln nahe. Eine gewaltige Leistung. Kein Wunder, dass laut einer Umfrage drei Viertel aller Deutschen lieber auf zehn Lebensjahre verzichten würden als auf ihr Augenlicht. Umso wichtiger ist der Erhalt unseres Sehsinns. Lässt die Sehleistung nach oder werden Sehdefizite nicht rechtzeitig erkannt, kann das Leben sogar gefährlich werden. Fatal dabei: Das Sehen verschlechtert sich oft schleichend und unbemerkt. Hier kann aber ein einfacher Sehtest Gewissheit geben.

Und regelmäßige Sehtests bringen zudem Sicherheit und Lebensqualität. Tests, die so unterschiedlich sind wie Augen und Sehanforderungen.

Wie oft ist ein Sehtest erforderlich?

Gesunde Augen und gutes Sehen sind keine Fragen des Alters. Schon Kinder können Probleme damit haben. Bereits jetzt trägt fast jedes zehnte Grundschulkind eine Brille. Mit 15 Jahren sind es bereits doppelt so viele. Wissenschaftler sprechen von der „Generation kurzsichtig“. Später bei den Erwachsenen trifft es ab der zweiten Lebenshälfte jeden. Die Alterssichtigkeit kommt ab 40 ins Spiel. Ab 60 steigt das Risiko von Augenerkrankungen. Ganz klar also: Regelmäßige Sehtests sind in jedem Alter ebenso wichtig wie der Gang zum Zahnarzt.

Wann sollten Erwachsene zum Sehtest?

Zur Kurz- oder Weitsichtigkeit, die bei den jungen Erwachsenen meistens bis zum 20. Lebensjahr entstanden ist, gesellt sich Mitte 40 die Alterssichtigkeit. Aber auch Normalsichtige werden alterssichtig. Irgendwann bekommt sie jeder. Ein paar Jahre später, bei der Generation der Silver Ager (50+), steigt dann das Risiko augenkrank zu werden. Grauer und Grüner Star sowie AMD zu spät entdeckt und behandelt, können schlimmstenfalls zur Erblindung führen.

Je stärker eine Kurzsichtigkeit ist, desto größer ist im Alter das Risiko von schweren Folgeerkrankungen wie Netzhautablösung oder Grüner Star. Selbst nach einer Laseroperation, mit der die Kurzsichtigkeit beseitigt wurde, bleibt das Risiko für schwere Augenerkrankungen hoch. Aber auch Medikamente und andere Krankheiten wie Diabetes schlagen sich auf die Sehkraft nieder. Ab 60 gehören deshalb jährlich ein Sehtest und eine Augenuntersuchung zur Vorsorge.

Junge Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren

Der Führerscheintest bringt es ans Licht: Spätestens jetzt outen sich die Kurzsichtigen. Das ist auch gut so. Wird die Kurzsichtigkeit frühzeitig mit Brille oder Kontaktlinsen korrigiert, leben die jungen Leute entspannter und sicherer – sei es bei schnellen Sportarten oder im Straßenverkehr.

    Sehtest für junge Erwachsene – wann und wie oft zum Sehtest?| Quelle: © Inside Creative House / iStockphoto.com Wann zum Sehtest – Junge erwachsene von 18 bis 30 Jahren
    Anzeichen für Sehprobleme bei jungen Erwachsenen ab 18 bis 30 Jahren:
    • Müde, brennende Augen
    • Augen- und Kopfschmerzen
    • Unscharfes Sehen im Straßenverkehr (Autonummern, Hinweisschilder)
    • Unscharfe Sicht auf Tafeln im Hörsaal und Präsentationen
    • Anstrengendes Sehen im Nahbereich oder am PC (Weitsichtigkeit)

    Ansprechpartner: Augenarzt, Augenoptiker/Optometrist

    Empfehlung: Um einen weiteren Anstieg der Kurzsichtigkeit frühzeitig zu entdecken, sollten Betroffene ab jetzt einmal jährlich zum Sehtest, Normalsichtige und Weitsichtige ohne Auffälligkeiten alle 3 Jahre.

    Erwachsene im Alter von 30 bis 40 Jahren

    Eine Zeit, in der sich eine Fehlsichtigkeit meist wenig verändert. Ist das doch der Fall, wird’s für die mobilen Mittdreißiger vor allem im Straßenverkehr gefährlich. Den einen oder anderen strengt das Arbeiten im Nahbereich jetzt mehr an. Das kann auf eine bisher unentdeckte Weitsichtigkeit hinweisen.

      Wann zum Sehtest ab 30 Jahren | Quelle: © YakobchukOlena / iStockphoto.com Sehtest ab 30
      Anzeichen für Sehprobleme Erwachsene ab 30 bis 40 Jahren:

      Ansprechpartner: Augenarzt, Augenoptiker/Optometrist

      Empfehlung: Der Sehtest ist bei unscharfem Sehen im Straßenverkehr sofort fällig und möglichst bald, wenn die Schrift am PC größer gestellt werden muss. Ohne besonderen Auffälligkeiten sollte ein Sehtest alle 3 Jahre erfolgen.

      Erwachsene im Alter von 40 bis 60 Jahren

      Irgendwann erwischt es jeden: Ab Mitte 40 entwickelt sich die Alterssichtigkeit. Das Sehen in der Nähe wird unscharf und mühsam. Das ist ganz normal. Kurzsichtige greifen jetzt zu Gleitsichtbrille oder Multifokallinsen. Menschen, die vorher noch nie eine Brille getragen haben, brauchen jetzt eine Lese- oder eine Gleitsichtbrille.

      Altersweitsichtigkeit ab 40 – ab wann zum Sehtest? | Quelle: © jacoblund / iStockphoto.com Ab 40 Jahren Sehtest

      Bis zum 65. Lebensjahr nimmt die Stärke der Lesebrille immer weiter zu, danach bleibt sie relativ konstant. Ab 50 verändert sich das Auge zusätzlich häufig in Richtung Weitsichtigkeit. Das heißt: Eine Kurzsichtigkeit wird schwächer, eine Weitsichtigkeit nimmt zu.

          Anzeichen für Sehprobleme bei Erwachsenen ab 40 bis 60 Jahren:
          • Größerer Augenabstand zu Buch, Smartphone und Tablet-PC
          • Anstrengendes Lesen von Preisschildern oder SMS
          • Brennende, müde Augen
          • Trockene Augen
          • Kopfschmerzen
          • Sehverschlechterung und häufiges Gähnen beim Autofahren
          • Sehverschlechterung bei Dämmerung und Dunkelheit

          Ansprechpartner: Augenarzt, Augenoptiker/Optometrist

          Empfehlung: Alle 2 Jahre werden Sehtests für die Ferne und die Nähe notwendig, um Veränderungen frühzeitig zu entdecken.

          Erwachsene im Alter ab 60 Jahren

          Auch Augen altern. Bei der Generation 60+ steigt das Risiko von Augenkrankheiten. Einige treten plötzlich auf und müssen sofort behandelt werden (Netzhautablösung). Andere entwickeln sich über Jahre langsam und schleichend (Grauer Star, AMD), sind tückisch (Grüner Star) und können unbehandelt zur Erblindung führen. Besonders gefährdet sind Personen mit einer familiären Vorbelastung.

          Ab wann sollte man zum Sehtest – Sehprobleme ab 60 | Quelle: © Cecilie_Arcurs / iStockphoto.com Wann zum Sehtest
          Anzeichen für Sehprobleme für Erwachsene ab 60+ Jahren
          • Deutliche Sehverschlechterung (Sehschärfe, Kontraste, Farben, blinde Flecken)
          • Erhöhte Blend- und Lichtempfindlichkeit
          • Wahrnehmungsdefizite
          • Krankhafte Veränderungen des Auges (plötzlicher Sehverlust, Entzündungen oder Schmerzen)
          • Sehen von Blitzen oder sich bewegenden schwarzen Flecken (Gefahr einer Netzhautablösung)

          Ansprechpartner: Augenarzt, Augenoptiker/Optometrist

          Empfehlung: Die klare Ansage selbst für sehr agile Best Ager lautet: einmal im Jahr zum Sehtest, einmal im Jahr zur Augenuntersuchung (Glaukom-Vorsorgeuntersuchung). Zusätzlich ist ein Diabetes-Test empfehlenswert

          Was ist vor dem Sehtest zu beachten?

          Welche Bedingungen sind für ein optimales Sehtest-Ergebnis die besten?

          Das kennt sicher jeder: Im Laufe des Tages schwankt die Sehleistung. Am Morgen entdeckte man noch mit Adleraugen die Welt, am Abend sind sie trocken, das Sehen wird anstrengender, oft auch schlechter. Gründe dafür gibt es viele: lange Computerarbeit, Hektik oder Stress. Auch Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck sowie Medikamente beeinflussen die Sehleistung. Umso wichtiger ist es, vorbereitet zum Sehtest zu gehen.

          Tipps für ein optimales Sehtest-Ergebnis:

          • Ausgeruht und fit erscheinen, nicht nach einem langen Bildschirm-Arbeitstag
          • Ausreichend Zeit für die Messungen einplanen
          • Den Augenoptiker/Augenarzt über eine eventuelle Schwangerschaft, Krankheiten und Medikamenteneinnahme informieren
          • Nach Krankheiten mindestens eine Woche mit dem Sehtest warten
          • Zum Augenoptiker/Augenarzt seines Vertrauens gehen

          Müssen Kontaktlinsen vor dem Sehtest entfernt werden?

          Nicht, wenn es allein um die Bestimmung der Sehschärfe geht. Ist allerdings ein Sehtest geplant, bei dem die exakte Stärke der Fehlsichtigkeit bestimmt werden soll, müssen die Kontaktlinsen raus. Der Grund: Kontaktlinsen haben Einfluss auf die Geometrie der Hornhaut. Das kann die Messergebnisse verfälschen. Wann genau vor dem Sehtest die Linsen entfernt werden müssen, klären Augenoptiker oder Kontaktlinsenanpasser.

          Was kosten Sehtests?

          Das ist ganz unterschiedlich und abhängig von Art und Aufwand des Sehtests. Ein Sehschärfe-Test mit Sehtafeln ist beispielsweise weniger aufwändig als ein Sehtest zur Bestimmung von Gleitsichtgläsern. Große Optiker-Ketten und die Optiker-Partner der Online-Anbieter belassen es beim Nulltarif. Aber auch viele mittelständische Augenoptiker verlangen für die Dienstleistung nichts oder verrechnen sie später mit der Brille. Kunden sollten vorher nach dem Preis fragen.

          Wie läuft ein Sehtest ab?

          Die meisten Menschen gehen zum Augenoptiker oder Augenarzt, weil sie eine Sehverschlechterung feststellen. Die gute Nachricht: Für fast jede Sehschwäche gibt es spezielle Tests, Korrektions- und Behandlungsmöglichkeiten.

          Sehtest zur Sehschärfeprüfung

          Die klassische Methode herauszufinden, ob eine Brille notwendig wird, ist die Überprüfung der Sehschärfe (Visus) für die Ferne und die Nähe mit Hilfe von Sehtafeln. Buchstaben, Zahlen oder Landoltringe (Kreise mit unterschiedlich positionierten Öffnungen) müssen in immer kleiner werdender Größe von jedem Auge erkannt werden. Die Fernsehschärfe wird mit Sehtafeln in einem Abstand von 5 bis 6 Metern gemessen. Die Nahprüfung erfolgt meistens im 40 Zentimeter-Abstand. Die Prüfung der Sehschärfe ist der wichtigste Sehtest. Er kann von jedem Augenarzt, Augenoptiker und Optometristen durchgeführt werden.

          Landolt-Sehtest mit Kreisen (Landolt-Ringe) | Quelle: Kuratorium Gutes Sehen e.V. Sehschärfeprüfung Landolt-Ringe

          Sehtest zur Brillenbestimmung

          Liegt eine herabgesetzte Sehschärfe vor, sollte unbedingt geprüft werden, ob eine Fehlsichtigkeit vorhanden ist. Diese Messung kann nur ein Augenarzt oder Augenoptiker/Optometrist vornehmen. Über das Internet geht das nicht. So eine Messung heißt im Fachdeutsch Refraktionsbestimmung. Oft wird sie auch vereinfacht Sehstärkenmessung genannt. Dazu bestimmen Augenarzt oder Augenoptiker zuerst die objektive Refraktion (Brechung des Lichtstrahls) mit einem automatischen Augenrefraktometer über Infrarotstrahlen. Das Autorefraktometer misst den Brechwert erst des einen, dann des anderen Auges. Bei Kurzsichtigen liegt der Brennpunkt der Lichtstrahlen vor der Netzhaut, bei Weitsichtigen dahinter. Nach der objektiven Messung liegen die ersten Dioptrien-Werte vor. Auch eine Hornhautverkrümmung wird erfasst.

          Anschließend ist die aktive Mitarbeit der Prüflinge gefragt. Während der subjektiven Refraktion mit einer Messbrille oder dem sogenannten Phoropter werden verschieden starke Linsen vor jedes einzelne Auge gehalten, bis die kleinsten Zahlen oder Buchstaben deutlich erkannt werden. Zum Schluss erfolgt eine gemeinsame Prüfung beider Augen – also ein Test des Binokularsehens. Die Ergebnisse beider Messungen ergeben den aktuellen Dioptrien-Wert.

          Brauche ich eine Brille? Sehtest zur Brillenbestimmung | Quelle: Kuratorium Gutes Sehen e. V. Sehtest Brillenbestimmung

          Sehtest zur Farberkennung

          Menschen mit einer Rot-Grün-Schwäche sehen Farben schlechter als Normalsichtige und können sie kaum voneinander unterscheiden. Weil die Betroffenen die Welt aber nicht anders kennen, ist eine milde Farbsinnstörung meist kein Problem. Vorausgesetzt, sie wollen nicht Busfahrer, Elektriker, Modedesigner oder Pilot werden.

          Für den Sehtest zur Rot-Grün-Schwäche werden in der Regel die sogenannten Ishihara-Tafeln verwendet: Die Prüftafeln enthalten kleine Kreise in unterschiedlichen Farben und Größen. Man sieht Zahlen, die sich in ihrem Farbton vom Hintergrund abheben. Menschen mit einer Rot-Grün-Schwäche sehen andere oder überhaupt keine Zahlen. Schummeln ist nicht möglich. In anderen Tests müssen Plättchen nach ihren Farben sortiert werden. So erfährt man, ob eine Farbsinnstörung vorliegt oder nicht.

          Rot-Grün-Schwäche – Sehtest zur Farberkennung (Ishihara Farbtafel) Ishihara Farbtafel – Sehtest Farberkennung

          Die genaue Bestimmung der Stärke einer Rot-Grün-Sehschwäche ist mit einem Anomaloskop möglich. Mit ihm können Spektralfarben gemischt werden. Die Testperson blickt durch das Okular des Gerätes auf einen mittig halbierten Kreis. Der untere Halbkreis leuchtet gelb, im oberen wird die Farbe Gelb aus Rot und Grün zusammengemischt. Aufgabe ist es, die Farbe des Testfeldes an die Farbe des Vergleichsfeldes anzupassen. Aus dem Mischungsverhältnis ist ablesbar, ob eine Rot- oder eine Grünstörung besteht und wie stark sie ist. Diese Untersuchung ist für bestimmte Berufseignungsprüfungen erforderlich und nur bei Augenärzten oder Optometristen möglich, die das notwendige Anomaloskop besitzen.

          Sehtest zum Kontrastsehen

          Autofahrer kennen das Dilemma: Bei Regen, Nebel oder in der Dämmerung werden andere Verkehrsteilnehmer nur noch schemenhaft wahrgenommen. Wer hier mit gutem Kontrastsehen punktet, kann Gefahren früher erkennen und schneller reagieren.

          Der Kontrast-Sehtest zeigt auf weißem Hintergrund hellgraue Zahlen, Buchstaben oder Zeichen, die peu à peu immer heller werden. So versucht der Test, das schemenhafte Sehen im Nebel nachzuahmen. Es gibt auch Kontrast-Sehtests mit hell- und dunkelgrauen Linienmustern, die entweder senkrecht oder schräg angeordnet sind. Die Aufgabe: Verlaufen die Linien vertikal oder schräg? Gemessen wird, wie groß der geringste Helligkeitsunterschied zwischen den Sehzeichen und dem Hintergrund ist, der gerade noch wahrgenommen wird. Mit diesen Tests lässt sich zum Beispiel feststellen, ob das Autofahren bei Regen oder im Nebel gefährlich ist.

          Kontrast-Sehtest mit Zahlen | Quelle: Kuratorium Gutes Sehen e.V. Sehtest Kontrastsehen

          Sehtest zum räumlichen Sehen

          Autofahren, Treppensteigen, Kaffeetrinken. Um Entfernungen richtig einschätzen und Objekte in ihrer Tiefe sehen zu können, brauchen wir das räumliche Sehen – auch Stereosehen genannt. Voraussetzung dafür sind zwei perfekt funktionierende Augen. Beide liefern Seheindrücke aus leicht unterschiedlichen Blickwinkeln. Im Gehirn entsteht daraus ein 3D-Bild. Wenn kleine Kinder schielen oder ihre Augen eine unterschiedlich starke Fehlsichtigkeit haben, kann das Gehirn die beiden Bilder nicht zu einem 3D-Bild vereinigen. Deshalb ist der 3D-Test auch sehr gut zur Früherkennung von Schielen oder anderen Sehentwicklungsstörungen geeignet. Weitere Details lesen Sie unter Sehtests für Kinder.

          Am häufigsten wird das räumliche Sehen mit dem Lang Stereotest geprüft. Dabei können Probanden mit intaktem Stereosehen auf Testtafeln mit scheinbar wahllos aufgedruckten schwarzen Punkten Figuren in 3D erkennen. Der Randot- und der Titmus-Stereotest nutzen zur Prüfung des räumlichen Sehens Polarisationsbrillen. Durch sie schauen die Prüflinge auf unterschiedlich tiefe Testbilder. Wird beispielsweise während des Titmus-Tests das große Bild einer Fliege dreidimensional erkannt, funktioniert die räumliche Sehfähigkeit. Beim TNO-Test tragen die Probanden eine Rot-Grünbrille (links Rotfilter, rechts Grünfilter). Das Prinzip hier: Die Testpersonen fixieren zwei räumliche, in den Komplementärfarben Rot und Grün gedruckte Bilder. Durch die Brille betrachtet entsteht ein dreidimensional erscheinendes Bild in Grauwerten. Alle vier Tests sind für Erwachsene und Kinder geeignet, der Lang-Test und die Titmus-Fliege sogar schon bei sehr jungen Kindern.

          Sehtest zur Überprüfung des zentralen Gesichtsfeldes

          Wenn im zentralen Gesichtsfeld Personen nicht mehr erkannt werden, Textzeilen verschwimmen oder die geraden Linien von Bad- und Küchenfliesen wellig erscheinen, besteht der Verdacht auf eine beginnende Altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Dabei wird der wichtigste Teil der Netzhaut – der Makula oder auch gelber Fleck genannt wird – durch Ablagerungen von Stoffwechselendprodukten nach und nach zerstört. AMD ist in Deutschland die häufigste Ursache für eine Erblindung. Früh erkannt und behandelt, lassen sich die Folgen jedoch oft hinauszögern oder sogar verhindern.

          Sehtest bei Makuladegeneration – überprüfen des zentralen Gesichtsfeldes mit Amslergitter | Quelle: Kuratorium Gutes Sehen e.V. Amslergitter Sehtest

          Erste Hinweise auf AMD gibt der Amsler-Gitter-Test. Dabei wird im normalen Leseabstand mit jedem Auge einzeln auf ein Gitter mit einem Punkt in der Mitte geschaut. Erscheinen die geraden Linien verbogen oder verzerrt, sollte der Augenarzt aufgesucht werden. Weitere Sehtests und eine Betrachtung des Augenhintergrundes geben endgültig Aufschluss über eine mögliche Makuladegeneration. Für die Früherkennung raten Augenärzte Menschen ab dem 60. Lebensjahr zu einer jährlichen AMD-Vorsorge.

          Online-Sehtests

          Online-Sehtests stellen die Augen auf eine erste Probe. Sie geben Hinweise auf Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Farbsehschwäche oder eine Makula-Störung. Einen Besuch beim Augenoptiker, Optometristen oder Augenarzt ersetzen sie aber nicht. Fallen die Ergebnisse des Online-Sehtests schlecht aus, ist der Besuch beim Spezialisten dringend angeraten. Augenärzte können Krankheiten und Sehschwächen diagnostizieren und behandeln, Optometristen und Augenoptiker Sehschwächen messen und Sehhilfen individuell anpassen.

          Gibt es einen Online-Sehtest? | Quelle: © Kuratorium Gutes Sehen e.V.

          Praktisch: Online-Sehtests sind kostenlos und lassen sich schnell und bequem zuhause vor dem Computer, als PDF zum Herunterladen oder unterwegs auf Laptop, Tablet und Smartphone durchführen. Die Schritte sind einfach erklärt, erste Ergebnisse schnell ermittelt. Die Seh-Checks im Einzelnen:

          Sehtests in der Arbeitsmedizin

          Wer Busfahrer werden will, muss scharf sehen können. Wer als Modedesignerin arbeiten will, muss feine Farbunterschiede von Kleiderstoffen erkennen können. Und wer den ganzen Tag auf den PC schaut, dem sollten nicht irgendwann die Augen flimmern. Es gibt viele Jobs, bei denen die Augen besonders gefordert sind und/oder eine zentrale Rolle spielen.

          Regelmäßige Augenuntersuchungen sind im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge deshalb das A und O. Für einige Tätigkeiten wie Berufskraftfahrer, Pilot oder Lokführer schreibt der Gesetzgeber zusätzlich gesundheitliche Eignungstests inklusive Sehcheck vor.

          Die Sehtests führen Arbeitsmediziner und Betriebsmediziner, ebenso Augenoptiker und Optometristen durch. Sie prüfen Sehschärfe in Ferne und Nähe, Farbensehen und räumliches Sehen. Die Kosten für die Augenuntersuchung trägt in der Regel der Arbeitgeber. Sollte eine Bildschirmarbeitsplatzbrille nötig sein, gibt es häufig zumindest einen Zuschuss.

          Gibt es Unterschiede bei den Sehtests für Brillenträger und Kontaktlinsenträger?

          Die Messung der Sehschärfe ist bei beiden gleich. Weil aber der Abstand von Brille und Kontaktlinsen zum Auge unterschiedlich ist, können die Korrektionswerte nicht eins zu eins übertragen werden. Augenoptiker und Kontaktlinsenanpasser bestimmen sie separat. Brillenwerte sind also nicht gleich Kontaktlinsenwerte.

          Zum anderen muss für die Anpassung von Kontaktlinsen zusätzlich die Hornhaut vermessen werden. Augen und Tränenfilm werden dazu mikroskopisch genau angeschaut. Erst danach erfolgt die Auswahl der Kontaktlinsen nach Tragewunsch, Tränenfilm und Lebensgewohnheiten.

          Führerschein-Sehtest

          Wo kann man den Führerschein-Sehtest machen?

          Für den Führerschein-Sehtest gibt es amtlich anerkannte Sehteststellen. Das können Augenoptiker, aber auch Augenärzte und Amtsärzte sein. Empfehlenswert, weil ohne lange Wartezeiten, ist der Augenoptiker um die Ecke. Online-Sehtests geben zwar einen ersten Hinweis auf eine eventuelle Fehlsichtigkeit, werden zur praktischen Führerscheinprüfung aber nicht anerkannt.

          Wie läuft der Sehtest für den Führerschein ab?

          Augenoptiker und Ärzte sind per Gesetz dazu verpflichtet, zuerst die Identität der Fahrschüler anhand des Personalausweises oder Reisepasses festzustellen. Der Test der Sehschärfe (Visus) erfolgt für alle Führerscheinklassen und jedes Auge einzeln mit Landoltringen und gilt bei einem Wert von 0,7 und darüber als bestanden. Nach dem Check wird eine Bescheinigung mit dem Eintrag der Sehleistung ausgestellt. Das Ganze dauert nur wenige Minuten und hat für Moped-, Motorrad- und Autofahrer ein Leben lang Bestand.

          Der Führerschein-Sehtest – das sollten Sie wissen | Quelle: © kate_sept2004 / iStockphoto.com Führerschein-Sehtest

          Besteht ein Fahrschüler den Sehtest nicht, kann er mit einer verbesserten Brille oder mit Kontaktlinsen den Test wiederholen. Fällt er dann erneut durch, muss ein Augenarzt eine gutachterliche Prüfung durchführen und entscheiden, ob der Kandidat Autofahren darf. Eine Sehhilfe wird im Führerschein vermerkt und muss während der Fahrt getragen werden. Ansonsten drohen neben einem Verwarnungsgeld im Falle eines Unfalls oder der Gefährdung anderer Personen auch strafrechtliche Konsequenzen. Die Polizei kann sogar die Weiterfahrt verbieten.

          Fahrer von LKW, Bus und Taxi (Führerscheinklassen C, C1, CE, C1E, D, DE, D1E) haben ein weitaus schwierigeres Test-Procedere vor sich. Sehschärfe, räumliches Sehen, Gesichtsfeld, Farbensehen, Dämmerungssehen, Blendempfindlichkeit, Augenbeweglichkeit – all das wird vom Augenarzt geprüft. Und im Gegensatz zu den anderen Führerscheinklassen müssen die Besitzer alle fünf Jahre ausreichende Gesundheit und das geforderte Sehvermögen nachweisen.

          Augenärzte und Verkehrssicherheitsexperten fordern übrigens schon lange einen verpflichtenden, regelmäßigen und altersunabhängigen Wiederholungssehtest für Führerscheininhaber nach der Fahrerlaubnisverordnung. Über 70 Prozent der Kraftfahrer begrüßen dies.

          Was hilft gegen die Angst vor dem Führerscheinsehtest?

          Gleich vorab: Mogeln geht nicht. Das wäre auch gefährlich. Schließlich riskieren die Prüflinge ohne ausreichendes Sehvermögen später im Straßenverkehr ihr eigenes und das Leben der anderen. Gegen die Angst helfen für die Gefahrenaufklärung: Fakten, Fakten, Fakten. Immerhin gehen jährlich mindestens rund 300.000 Verkehrsunfälle auf das Konto mangelnder Sehleistungen.

          Angst vor dem Führerscheinsehtest – das hilft gegen die Angst | Quelle: © domoyega / iStockphoto.com Führerschein-Sehtest

          Was kostet der Führerschein-Sehtest?

          Nach Änderung der aktuellen Gebührenordnung 2018 dürfen die Anbieter ihre Preise frei gestalten. Nachfragen lohnt: Einige Optiker testen zum Null-Tarif.