Digitales Sehen

Sehprobleme und andere Risiken

Digitaler Sehstress belastet Körper und Psyche | Quelle: © PeopleImages / iStockphoto.com

Die Augen brennen, jucken, tränen, sind gerötet … Das kennt fast jeder, der täglich intensiv und viele Stunden lang auf Bildschirme und Displays von PC, Tablet oder Smartphone schaut. Digitaler Sehstress, Office Eye Syndrome, Computer Vision Syndrome (CVS) – die Fachleute haben den typischen Beschwerden längst Namen gegeben. Zu den Symptomen zählen auch Kopfschmerzen, Verspannungen im Nacken oder Rückenprobleme. Das digitale Leben beansprucht außerdem mit 3D-Effekten und künstlichen Welten Augen und Körper.

Augenbeschwerden beim Sehen auf Bildschirme und Displays

Dauerhafte Nahsicht, Starren auf eine kleine Fläche, weniger Augenbewegungen, Blickwechsel nur über kurze Entfernungen zum Beispiel zwischen Monitor und Tastatur – beim Blick auf Bildschirme geht es monoton zu. Und diese – unnatürliche – Monotonie hat Folgen. Das Sehen wird anstrengend. Das macht sich unter anderem in folgenden Symptomen bemerkbar:

  • Brennen, Rötung, Tränen, Jucken, Entzündung,
  • trockene Augen,
  • müde Augen,
  • Probleme bei der Umstellung von Nah- auf Fernsicht,
  • verschwommenes und schleierhaftes Sehen,
  • Doppelbilder,
  • Lichtempfindlichkeit,
  • Flimmern,
  • Probleme bei der Farbwahrnehmung,
  • Probleme bei der Helligkeitswahrnehmung.

Weniger Augenbewegungen, mehr Sehprobleme

Eine Studie zum Thema „Trockenes Auge“ ergab, dass rund 75 Prozent aller Bildschirmarbeiter von dieser Augenerkrankung betroffen sind. Wer konzentriert auf den Monitor schaut, blinzelt weniger oder führt den Lidschlag nicht vollständig aus. Die Augenlider bewegen sich dabei nur ein- bis zweimal pro Minute – normal sind zehn bis 20 Lidschläge. Weniger Lidschläge aber bedeuten, dass weniger Tränenflüssigkeit über das Auge verteilt wird. Das führt zu störenden und schmerzhaften Beschwerden und lässt Krankheitserreger leichter ins Auge eindringen.

Um alles scharf zu sehen, stellen sich die Augen stets auf die unterschiedlichen Entfernungen ein; diese Fähigkeit heißt Akkommodation. Beim Blick auf Bildschirme und Displays müssen sie sich aber dauerhaft auf den relativ kurzen Sehabstand zu den Geräten einrichten. Durch dieses anhaltende Nahsehen entspannt die Augenlinse nicht mehr. Das Umschalten zwischen Nahsicht und Fernsicht, also vom Monitor in den Raum, fällt schwerer. Etwa im Alter zwischen 40 und 45 Jahren verliert die Linse naturgemäß an Elastizität. Die damit einhergehende Sehschwäche heißt Alterssichtigkeit, Altersweitsichtigkeit oder Presbyopie. Scharfes Sehen in der Nähe ist dann sowieso ein Problem.

Der Nahblick lässt die Augenmuskeln in permanenter Anspannung verharren. Anstrengender wird dadurch auch das Fixieren, also das Ausrichten der Augäpfel auf ein zu betrachtendes Objekt – in der Fachsprache Vergenz genannt. Je näher sich das Bildschirmbild vor den Augen befindet, desto mehr drehen sie sich nach innen. Mitunter gelingt es nicht, dass die Seheindrücke beider Augen zu einem Bild verschmelzen. Dann entstehen Doppelbilder.

Hinweis: Bildschirmbrillen, Brillen für Smartphone & Co. sowie spezielle Kontaktlinsen erleichtern das Sehen auf Monitore und Displays. Sie reduzieren den digitalen Sehstress. 

Kurzsichtig durch Smartphone und Co.

Computer, Tablets, Smartphones – mit digitalen Endgeräten läuft es in Beruf, Schule und Alltag. Das große Rennen in der vernetzten Welt macht das Smartphone. Die Nutzer werden dabei immer jünger. Bei den Sechs- bis Neunjährigen hat sich die Zahl der Smartphone-Nutzer seit 2014 verdoppelt, auch bei den übrigen Heranwachsenden geht es mobil digital weiter aufwärts. Ganz klar: Kinder und Jugendliche schauen immer länger auf nahe Displays. Das Problem: Mit ihrem körperlichen Wachstum verändert sich auch die Größe der Augen. Anhaltendes Sehen in der Nähe, wie es die vielen jungen Smartphone-Nutzer praktizieren, regt den Augapfel an, über das normale Maß hinaus in der Länge zu wachsen. Ein zu langer Augapfel verursacht Kurzsichtigkeit (Myopie).

Hinzu kommt ein weiterer Förderer dieser Sehschwäche: Die geringe Beleuchtungsstärke in Innenräumen, wo digitales Sehen meistens stattfindet, begünstigt Kurzsichtigkeit. Wissenschaftler sagen: Kinder, die weniger als eine Stunde draußen sind, haben ein um mehr als 30 Prozent höheres Risiko als diejenigen, die sich täglich mehr als zwei Stunden lang im Freien aufhalten.

Ganz gleich, ob Kind oder Erwachsener – wer seine Augen dauerhaft auf Nahes scharf stellt, riskiert, kurzsichtig zu werden. Schon ein paar Minuten Naharbeit reichen aus, dass es zu einer kurzzeitigen Myopisierung oder zur Verstärkung der Kurzsichtigkeit kommt.

Hinweis: Kurzsichtigkeit lässt sich mit Brille oder Kontaktlinsen problemlos korrigieren. Doch wer stark kurzsichtig ist, sollte seine Augen jedes Jahr untersuchen lassen. Denn bei hochgradiger Myopie steigt das Risiko für schwerwiegende Augenerkrankungen wie Netzhautablösung, Grauen Star, Grünen Star oder Makuladegeneration

Blaulicht als Augengefährder

Die modernen Bildschirme digitaler Endgeräte sind mit LEDs ausgestattet, die einen hohen Anteil an Blaulicht ausstrahlen. Hornhaut und Augenlinse fangen dieses energiereiche sichtbare Licht nicht ab, sondern es gelangt fast ungehindert bis auf die Netzhaut. Wer lange auf Computermonitore oder Smartphone-Displays schaut, setzt sich dem blauen Licht besonders stark aus. Es wirkt auf das Auge wie die Sonne beim Sonnenbrand. Netzhautschäden können die Folge sein. Auch zwischen dem Entstehen der Makuladegeneration, die zur Erblindung führen kann, und anhaltender Blaulichtbestrahlung sehen Wissenschaftler einen Zusammenhang.

Die Nutzer digitaler Endgeräte haben mittlerweile eine Option: Es gibt Brillengläser, die die Belastung durch das blaue Licht mindern.

Umgebungslicht als Blender

Jeder kennt es: Die Sonne scheint direkt auf den Bildschirm oder das Display – dort bleibt für den Betrachter aber alles im Dunkeln, selbst wenn er noch so angestrengt draufschaut. Hell angestrahlte Flächen, Lampen, helles Sonnenlicht und überhaupt grelles Gegenlicht blenden. Lichtflecken und Spiegelungen auf den Monitoren machen es den Augen schwer, auf die Bildschirmbilder scharf zu stellen.

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3D nicht für alle

Rund vier Millionen Menschen in Deutschland können gar nicht dreidimensional sehen. Die Blickachsen ihrer Augen richten sich nicht auf ein und denselben Punkt, sodass die Seheindrücke nicht zu einem dreidimensionalen Bild verschmelzen. Den Betroffenen bleiben 3D-Effekte versagt. Schielen oder auch eine nicht richtig korrigierte Fehlsichtigkeit verursacht beim Betrachten von künstlich erzeugten 3D-Bildern Probleme mit der Sehschärfe, ein Druckgefühl auf den Augen, Kopfschmerzen oder Schwindel.

Selbst für gesunde Augen hat die künstlich geschaffene dritte Dimension ihre Tücken. Hier geraten nämlich zwei Vorgänge des Sehens, die normalerweise eine Einheit bilden, in Konflikt: Die Augen stellen immer auf Leinwand, Fernseher oder Display scharf (Fokussieren, Akkommodation), doch nehmen sie die Objekte ins Visier, die vermeintlich davor oder dahinter liegen (Fixieren, Vergenz). Das führt zu müden und schmerzenden Augen.

Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) mit Tücken

Wer hätte daran gedacht? Bei einer VR-Brille sollte der Pupillenabstand stimmen. Bei zu starker Abweichung zwischen Brilleneinstellung und Augen des Trägers verschwimmen die Bilder. Also beim Brillenkauf probieren und, wenn nötig, eine VR-Brille mit verstellbarer Pupillendistanz wählen.

Mit VR-Brillen und AR-Brillen vor den Augen können sich die Nutzer durch eine reale Welt bewegen und dabei die künstliche erleben. Doch Vorsicht: Da der Blick zwischen Wirklichkeit und fiktiver Welt, also zwischen nah und fern, hin und her wandert, kann es für die Augen überaus anstrengend sein.

Hinweis für Träger von Korrektionsbrillen und Kontaktlinsen: Die Sehhilfen müssen auf den Augen bleiben – sonst schwindet der virtuelle Spaß. Eine Korrektionsbrille muss also unter der VR-Brille oder der AR-Brille Platz haben. Tipp: Wer auf beiden Augen die gleiche Korrektion hat, kann zu VR-Brillen mit Dioptrien-Korrektur greifen, die schon angeboten werden.

Sehen auf Bildschirme und Displays: Schädlich für die Augen?

Interview mit Prof. Dr. Wolf A. Lagrèze, Universitätsklinikum Freiburg, zu Risiken und Auswegen.

Körperliche Belastungen durch digitale Technik

In kürzester Zeit der Millionen Jahre währenden Entwicklungsgeschichte hat sich der Mensch von einem Wesen in ständiger Bewegung immer mehr zu einem Wesen mit monotoner Körperhaltung gewandelt. Noch bis vor etwa 15 000 Jahren streiften unsere Ahnen als Jäger und Sammler zu Fuß durch Wald und Flur, um ihr Überleben mit dem zu sichern, was sie der Natur abringen mussten. Laufen, stehen, bücken, heben, sitzen, liegen – schön abwechslungsreich. Darauf haben sich auch die Vorgänge im Körper eingestellt: Das Skelett, die Muskulatur und die Organe wollen mit lebensnotwendigen Stoffen versorgt werden. Dafür brauchen sie Bewegung.

Die Technisierung der vergangenen Jahrhunderte brachte immer mehr Annehmlichkeiten in die Arbeit und den Alltag: Der Mensch hat es sich bequemer gemacht. Diese Vorteile gehen allerdings mit Risiken einher. Kopfschmerzen, Nackenbeschwerden, Rückenprobleme und, und, und: Die Jetztzeit der rasant fortschreitenden Digitalisierung macht sich schmerzhaft bemerkbar.

Bewegungskiller Bildschirm

Bedenkliche Bewegungsbilanz: Zwei von fünf Berufstätigen arbeiten fast nur im Sitzen, etwa ein Viertel bewegt sich im Job nur mäßig. Statt den Bewegungsmangel nach Feierabend auszugleichen, sitzen viele auch in der Freizeit. Durchschnittlich drei Stunden am Tag verbringen über 18-Jährige in Deutschland außerhalb der Arbeitszeit vor einem Bildschirmgerät. 17 Prozent schaffen es gar auf fünf bis sieben Stunden täglich! Selbst wenn sie mobile Geräte in die Hand nehmen, heißt das nicht, dass sich die Nutzer selbst bewegen. Auch hier ist körperliche Passivität angesagt.

Das bekommt der Muskulatur nicht. Denn bei intensiver Nutzung digitaler Geräte verharrt der Körper in starrer Haltung. Eine kleine Gruppe leicht aktivierbarer Muskelfasern innerhalb eines Muskels wird dabei ständig aktiviert. Die Muskelfasern können nicht regenerieren. Die Folgen sind muskuläre Ermüdung und Überbeanspruchung. Die Warnsignale dieser langanhaltenden, aber nicht sehr starken muskulären Beanspruchung gelangen nicht ins Bewusstsein, weil sie durch andere Reize geistiger Tätigkeiten verdeckt werden, erklärte Robert Seibt von der THUMEDI GmbH auf der 1. Interbild 2016 in Jena.

Der Mensch bekommt das schmerzhaft als Muskel- und Skeletterkrankungen zu spüren. Typisch sind: 

  • Schildkrötenhals – Bildschirmnutzer zieht Kopf, Nacken und Halswirbelsäule nach vorn hin zum Monitor, die Muskulatur im Schulter-Nacken-Bereich verspannt;
  • Mausarm – anfänglich Kribbeln und Kraftlosigkeit in Hand und Arm, später Taubheitsgefühl und Probleme mit der Koordination, Schmerzen, Krämpfe bis hin zur Gelenkversteifung an Hand, Arm und Schulter;
  • Smartphonenacken/Handynacken – Blick mit hängendem Kopf aufs Display, je nach Kopfneigung unterschiedlich starke Genickbelastung: bei häufig zu beobachtender 60-Grad-Neigung bereits 27 Kilogramm – in etwa das Gewicht eines siebenjährigen Kindes; Verspannungen und Verkrampfungen im Nackenbereich, Abnutzungserscheinungen an der Halswirbelsäule bis hin zu Bandscheibenvorfällen;
  • Smartphonedaumen/SMS-Daumen – Dauerstress für die Finger, vor allem den Daumen, durchs Tippen und Wischen auf dem Display; Belastungsbeschwerden, Sehnenentzündung.

Zu wenig Bewegung durch langanhaltendes Sitzen vor Bildschirmen verursacht außerdem Durchblutungsstörungen, führt zu Konzentrationsstörungen und Erschöpfung. 

Gleichgewichtsstörer 3D

Animationen in 3D schaffen das eindrucksvolle Erlebnis, sich inmitten von bewegten Bildern aufzuhalten, obwohl man sitzt oder stillsteht. Doch das bekommt nicht jedem, weil das Gleichgewichtsorgan aus dem Tritt kommt. Wer unter Reisekrankheit leidet oder seekrank wird, kennt die Beschwerden: Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und Koordinationsstörungen.

Schlafblockierer Blaulicht

Das von modernen Bildschirmen und Displays ausgehende Blaulicht wirkt wie ein Muntermacher. Es sorgt mit seiner Helligkeit dafür, dass die Melatonin-Produktion im Körper gehemmt wird. Dieses Hormon regelt den Schlaf-Wach-Rhythmus: Bei Dunkelheit steigt der Melatonin-Spiegel an, der Mensch wird müde. Wer kurz vor dem Zubettgehen eine ordentliche Menge Blaulicht tankt, hat Schwierigkeiten einzuschlafen.

Gefahren für die Psyche

Digitale Technik erleichtert und beschleunigt den Informationsaustausch und die Kommunikation. So weit, so gut. Doch der Druck, ständig erreichbar zu sein und möglichst nichts zu verpassen, steigt bei vielen. Was heute per E-Mail oder über digitale Management-Systeme organisiert wird, fand vor nicht allzu langer Zeit noch auf dem Wege individueller Gespräche statt. Das höhere Tempo und die moderne Art der Interaktion zwischen den Menschen, sei es bei der Arbeit oder im persönlichen Alltag, ist Neuland.

Stressförderer Digitalisierung

Laut einer Umfrage fühlen sich 46 Prozent der Beschäftigten durch die Digitalisierung stärker belastet als früher. Gut jeder zweite Beschäftigte muss mehr Arbeit erledigen und auch mehr gleichzeitig bewältigen als vorher. Der damit einhergehende Druck erzeugt Stress. Der wiederum kann zu Burn-out, Panik, Angstzuständen oder Depressionen führen. Stress äußert sich auch in einem höheren Konsum von Arzneimitteln und Alkohol oder einer falschen Ernährung – alles Faktoren, die den Gesundheitszustand negativ beeinflussen.

Suchtfaktor digitale Medien

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung spricht von etwa 600 000 Internetabhängigen und 2,5 Millionen problematischen Nutzern. Fast sechs Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen ein gestörtes Internet- und Computerspielverhalten. Fazit: Exzessiver Medienkonsum kann süchtig machen. Das äußert sich beispielsweise im Rückzug aus dem Alltag, in Aggressivität oder depressiven Zuständen.

Entwicklungsrisiko Medienkonsum

Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen steht auf dem Spiel, wenn sie mit digitalen Medien unkontrolliert und übermäßig nutzen. Ihnen fehlt es noch an der Kompetenz, mit diesen Medien bewusst umzugehen. Die Heranwachsenden fallen mit Konzentrationsschwächen, Hyperaktivität, Sprachentwicklungsstörungen und Schlafproblemen auf.

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