Lesebrille
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Lesebrille

Wer in der Nähe nicht gut sieht, braucht eine Lesebrille. Was es bei den praktischen Alltagshelfern zu beachten gibt, erklären wir Ihnen!

Die Lesebrille – welche Lesebrille brauche ich? | © Karolina Grabowska / pexels.com
Experte Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Wesemann Lesezeit Statistik

Ob Buch, Zeitung oder Smartphone – irgendwann rückt das Lesen in weite Ferne. Früher oder später braucht jeder eine Lesebrille.

Was ist eine Lesebrille?

Mit einer Lesebrille wird deutliches Sehen in der Nähe wieder möglich. Sie gleicht die fehlende Brechkraft aus, indem sie den Lichteinfall so verändert, dass die Lichtstrahlen wie bei Normalsichtigen genau auf der Netzhaut gebündelt werden – äußerlich sichtbar an der leicht konvexen Form der Gläser. Keine Sorge: Diese sogenannten Sammellinsen mit positivem Brechwert sind in der Mitte zwar dicker als am Rand, können aber heutzutage sehr dünn geschliffen werden.

Der Begriff „Lesebrille“ hat sich durchgesetzt, weil mit Einsetzen der Alterssichtigkeit (Presbyopie) das Sehen in der Nähe – vor allem das Lesen – immer schwieriger wird. Ohne Lesebrille funktioniert der Alltag nicht mehr.

Klassische Lesebrillen haben Einstärkengläser. Es gibt sie in herkömmlicher Glasgröße und als Halbbrillen. Letztere sitzen tief auf der Nase, sodass über sie auch in die Ferne gelinst werden kann. Gut für Träger, die für das Sehen in die Weite keine Brille brauchen.

Der Vorteil der Einstärken-Lesebrille im Vergleich zur Gleitsichtbrille mit mehreren Sehstärken: Das Schmökern abends auf dem Sofa gelingt entspannt aus allen Blickwinkeln gleichermaßen gut. Kein ständiges Kopfheben, kein Suchen nach der richtigen Leseposition.

Lesebrillen für Alterssichtige

Alterssichtigkeit beginnt meist ab dem 45. Lebensjahr. In diesem Alter hat die Linse so viel Elastizität verloren, dass es für das Auge immer schwieriger wird, Dinge in der Nähe scharfzustellen (Akkomodation). Das ist ganz normal. Alterssichtigkeit ist übrigens nicht mit der Weitsichtigkeit (Hyperopie) zu verwechseln. Obwohl sich die Symptome ähneln, haben beide verschiedene Ursachen.

Wer bis dato noch nie eine Brille getragen hat, greift jetzt zu einer Lesebrille, die ebenso eine Hornhautverkrümmung (Astimatismus) ausgleichen kann. Kurzsichtige, die alterssichtig werden, brauchen zusätzlich zur Lesebrille eine für die Ferne. Bequemerweise wählen viele dann eine Gleitsichtbrille oder Multifokallinsen mit unterschiedlichen Sehstärken. So entfällt der ständige, lästige Brillenwechsel.

Weil viele Alterssichtige ab zirka 55 Jahren weder mit einer Einstärken-Lesebrille noch mit einer herkömmlichen Gleitsichtbrille optimal lesen können, gibt es neuerdings auch spezielle Nahkomfortbrillengläser. Sie bieten mit einem Sehbereich von zirka 40 cm bis 1 m entspanntes Nahsehen auf Smartphone und Tablet und sind somit eine gute Ergänzung zur Gleitsichtbrille für den Alltag.

Eine weitere Möglichkeit: Kontaktlinsen für die Ferne, die Lesebrille für den Nahbereich.

Dioptrien-Werte bei Lesebrillen – das sollten Sie wissen

Die Stärke eines Brillenglases wird in Dioptrien angegeben (Abkürzung: dpt). Bei Weitsichtigkeit steht vor dem Wert ein Plus (Beispiel: +2 dpt), bei Kurzsichtigkeit ein Minus. Da braucht jeder nur mal in seinen Brillenpass zu schauen. Je höher der Wert, desto größer ist die Fehlsichtigkeit.

Wenn sich die Alterssichtigkeit entwickelt, braucht man anfangs nur eine kleine Leseunterstützung (Addition) von etwa +0,75 dpt. Mit zunehmendem Alter steigert sie sich bis zu einem Endwert von etwa +2,5 dpt. Bei weitsichtigen und kurzsichtigen Menschen addiert sich dieser Wert zu der Brillenstärke für die Ferne. Zwei Beispiele: Ein Weitsichtiger mit +2 dpt und einer Leseunterstützung von +1 dpt braucht eine Lesebrille mit +2 +1 = +3 dpt. Ein Kurzsichtiger mit -2 dpt und einer Addition von +1 nutzt eine Lesebrille mit -2 +1 = -1 dpt. Die exakten Brillenwerte bestimmen Augenoptiker/Optometristen oder Augenärzte mit Sehtests.

Drogerie oder Optiker? Tipps für den Kauf einer Lesebrille

Lesebrillen – besser gesagt Lesehilfen – verkaufen mittlerweile auch Drogerien und Discounter. Für den Beginn einer Alterssichtigkeit ist sie als Ersatzbrille oder für den Notfall zum Lesen von Preisschildern oder WhatsApps akzeptabel. Die Crux: Fertigbrillen gibt es nur mit zwei gleich starken Gläsern. Doch welcher Mensch hat schon zwei gleich sehende Augen? Auch eine zusätzliche Hornhautverkrümmung oder eine eventuell vorhandene Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit korrigiert die Fertigbrille nicht.

Lesebrillen sollten also möglichst individuell vom Augenoptiker/Optometristen oder Augenarzt angepasst werden. Während des Sehtests ermitteln die Profis die Sehschärfe, die erforderliche Brillenstärke, eine eventuell vorhandene Hornhautverkrümmung, aber auch die Pupillendistanz (PD-Wert) für die Brillenglaszentrierung.

Wie teuer sind Lesebrillen?

Lesehilfen aus der Drogerie kosten wenige Euro. Alle, die ihre Brille öfter mal verlieren, werden sich darüber freuen. Wer allerdings Wert auf hochwertige Gläser legt, zahlt schon einige hundert Euro. Dafür erhält man aber neben den individuell angepassten Gläsern vom Fachmann zahlreiche wertvolle Features. Das fängt beim Material (Kunststoff- oder mineralische Gläser) an und hört bei Zusatzausstattungen wie Entspiegelung, besondere Härtung und Blaufilter auf. Je mehr Hightech, desto teurer ist die Brille.

Welche Alternativen zur Lesebrille gibt es?

Die Alternativen zur Lesebrille sind Bifokale Brillen und Gleitsichtbrillen, Kontaktlinsen sowie Augenoperationen.

Bifokale Brillen und Gleitsichtbrillen

Gleitsichtbrillen verschaffen Alterssichtigen ein komfortables Sehen in allen Entfernungen. Das ständige Suchen und Absetzen der Lesebrille beim Blick in die Ferne entfällt. Dazu sind die Gläser so geschliffen, dass die beiden Bereiche – oben für die Ferne, unten für die Nähe – gleitend ineinander übergehen. Eine technisch aufwendige Herstellung. Viele können damit auch im Mittelbereich gut am Computer arbeiten oder im Auto das Cockpit scharf sehen. Anfängliche Seh-Schwierigkeiten vergehen in der Regel nach wenigen Wochen Eingewöhnung. Gleitsichtbrillen korrigieren auch eine Hornhautverkrümmung.

Bifokale Brillen funktionieren wie Gleitsichtbrillen – mit ihnen ist das Fern- und Nahsehen gleichermaßen möglich. Die kleinen Unterschiede: Bei einer bifokalen Brille gibt es einen abrupten Übergang zwischen dem Fern- und dem Leseteil. Das Sehen in mittleren Entfernungen ist nicht optimal. Außerdem stört manche Träger*innen, dass andere die deutliche Trennlinie wahrnehmen und so eventuell auf das Alter schließen könnten.

Kontaktlinsen

Der große Vorteil von Kontaktlinsen: Sie zaubern Sehschärfe ohne störenden Rahmen. Sie sind unsichtbar, nichts beschlägt oder lässt aufs Alter schließen.

Die normalen Kontaktlinsen korrigieren eine Kurz- oder Weitsichtigkeit und bei Bedarf auch eine Hornhautverkrümmung.

Es gibt aber auch spezielle Kontaktlinsen, die zusätzlich eine Alterssichtigkeit ausgleichen. Dazu verfügen bifokale Linsen wie bifokale Brillen über zwei getrennte Sehbereiche, die übereinander (oben nah, unten fern) oder in Kreisen (innen fern, außen nah oder umgekehrt) angeordnet sein können. Multifokale Kontaktlinsen punkten wie Gleitsichtbrillen mit deutlichem Sehen in Ferne und Nähe. Mittlerweile gleichen auch sie eine Hornhautverkrümmung aus.

Schlussendlich können Alterssichtige auch auf das Prinzip der Monovision zurückgreifen: In das „Führungsauge“ kommt die Linse für die Fernsicht, in das „Begleitauge“ die für die Nähe. Das Sehzentrum im Gehirn sucht sich situationsbedingt das jeweils scharfe Bild für nah und fern aus.

Augenoperationen

Behandlungen beispielsweise mit Laser oder Implantaten versprechen ein Leben ohne Brille und Kontaktlinsen. Leider geht der Wunsch nur bis zu einem gewissen Grad und nicht für jeden in Erfüllung. Der Erfolg ist abhängig von vielen individuellen Faktoren. Und: Augen-OPs sind chirurgische Eingriffe, die in der Regel irreversibel und mit Risiken verbunden sind

Lasik-Methode

Bei der Lasik-Methode (Laser in situ Keratomileusis) wird mit einem Laser Gewebe in der Hornhaut abgetragen und damit die Brechkraft des Auges verändert. Dazu löst der Operateur mit einem Femtosekundenlaser oder einem Mikrokeratom-Präzisionsinstrument eine kleine Scheibe (Flap) von der obersten Hornhautschicht und klappt sie zur Seite. Nach dem Lasern des jetzt frei liegenden Hornhautgewebes sorgt der wieder zurückgeklappte Flap wie ein körpereigenes Pflaster für die Wundheilung.

Der medizinische Eingriff eignet sich nicht für Patienten mit zu dünner Hornhaut oder einer zu hohen Fehlsichtigkeit – Weitsichtigkeit und Astigmatismus dürfen maximal +3 Dioptrien, Kurzsichtigkeit nicht mehr als -8 Dioptrien betragen. Eine Laser-Operation birgt zahlreiche Risiken wie trockene Augen, erhöhte Blendempfindlichkeit oder ein nebliges Sehen. Außerdem verhindert der chirurgische Eingriff nicht die ab 45 Jahren einsetzende Alterssichtigkeit. Dann braucht auch der Lasik-operierte Mensch eine Lesebrille.

Mehr über Lasik- und andere Laser-OP wie LASEK (Laser-epitheliale Keratomileusis) oder PRK (Photorefraktive Keratomileusis) lesen Sie hier.

Hornhaut-Implantat (Kamra-Inlay)

Bei dieser Methode wird zuerst ein Schlitz von der Seite in die Hornhaut geschnitten. Dadurch entsteht in der Hornhaut eine „Tasche“, in die danach ein Implantat aus Kunststoff mit einem kleinen Loch von 1,6 mm Durchmesser in der Mitte der Hornhaut hineingeschoben wird. Es wirkt wie die Lochblende einer Kamera: Die Tiefenschärfe erhöht sich, Objekte in der Nähe sind wieder deutlich erkennbar. Diese Operation eignet sich für Alterssichtige mit noch guter Fernsicht, ist aber unter Fachleuten umstritten.