Sehschwäche

Schielen (Strabismus) – Ursachen, Arten und Behandlung

Je früher die Diagnose, desto besser die Behandlungschancen bei Strabismus | Quelle: © bulentevren / Shutterstock.com

Beim Schielen (Strabismus) liegt eine Fehlstellung der Augen vor. Die beiden Augen können nichtgleichzeitig ein Objekt fixieren, ein Auge schaut immer vorbei. Die Ausprägung und die Ursachen sind dabei sehr vielfältig. Schielen ist bei Erwachsenen und bei Kindern kein einfacher Schönheitsfehler, sondern kann zu einer ernst zu nehmenden Sehbehinderung führen. Es kann sich auch eine andere Erkrankung dahinter verbergen. Daher sollten Betroffene und Eltern betroffener Kinder zeitnah einen Augenarzt aufsuchen.

Ursachen von Schielen – Wie kommt es, dass man schielt?

Es gibt verschiedene Ursachen, die ein Schielen der Augen hervorrufen können. Nicht alle sind im Detail bekannt. Schielen kann genetisch bedingt oder auf bestimmte Ereignisse während der Schwangerschaft oder Geburt zurückzuführen sein. Beispielsweise tritt Strabismus bei Frühgeborenen gehäuft auf. Eine unbehandelte Weitsichtigkeit oder eine unterschiedlich starke Fehlsichtigkeit beider Augen können ebenfalls ein Schielen verursachen. Auch die Mechanik der äußeren Augenmuskeln, die für die Augenbewegungen zuständig sind, kann gestört sein. Dann liegt meist eine andere Erkrankung oder Verletzung zugrunde. Darüber hinaus können Entzündungen und Tumore einen Strabismus auslösen.

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Welche Arten von Strabismus gibt es?

Zum einen unterscheiden Augenärzte zwischen einem manifesten und einem latenten Schielen. Bei der manifesten Schielform ist die Fehlstellung der Augen ständig vorhanden. Dabei schielt entweder immer nur ein Auge oder beide Augen schielen abwechselnd. Latentes Schielen (Heterophorie), auch verstecktes Schielen genannt, ist ohne Untersuchung unsichtbar, kann aber in bestimmten Situationen (Überanstrengung, nach Alkoholkonsum) entgleiten und in ein manifestes Schielen übergehen. Zum anderen orientiert sich die Einteilung des Strabismus nach der Richtung, in die das schielende Auge abweicht. So kann ein Auge nach innen oder nach außen schielen. Dementsprechend liegt dann ein Innenschielen oder Außenschielen vor. Aber auch Abweichungen nach oben oder unten sind möglich und unter dem Begriff Höhenschielen zusammengefasst. Vom Verrollungsschielen sprechen Fachleute, wenn die Sehachse eines Auges verdreht ist. Des Weiteren kann die Einordnung eines Strabismus nach der Ursache, der Ausprägung oder nach anderen Merkmalen erfolgen.

Mikrostrabismus

Ein Mikrostrabismus ist nach der Ausprägung des Schielens benannt. Die Schielstellung ist nur minimal, wodurch der Mikrostrabismus kaum auffällt. Das macht ihn allerdings nicht harmloser, sondern problematischer. Denn ein Mikrostrabismus kann genauso wie ein stärker ausgeprägter Strabismus eine Sehbehinderung nach sich ziehen, wenn er nicht rechtzeitig behandelt wird. Da ein Mikrostrabismus aber leicht längere Zeit unentdeckt bleibt, kommt die Behandlung oft zu spät.

Begleitschielen und Lähmungsschielen

Begleitschielen (Heterotropie)

Die Bezeichnung "Begleitschielen" richtet sich danach, wie sich die Augen zueinander verhalten. So begleitet beim Begleitschielen das schielende Auge das andere Auge, wenn dieses die Blickrichtung ändert, um ein Objekt zu fixieren. Der Schielwinkel, also der Winkel der Sehachsen beider Augen zueinander, bleibt annähernd gleich.

Lähmungsschielen (Parese)

Beim Lähmungsschielen ist die Ursache namensgebend. Dieser Schielform liegt eine Lähmung von mindestens einem äußeren Augenmuskel zugrunde, der für die Bewegung des Auges mitverantwortlich ist. Ein Lähmungsschielen kann schon von Geburt an bestehen. Häufiger ist jedoch ein plötzlich auftretendes Lähmungsschielen in Folge einer Entzündung, einer Verletzung oder einer Allgemeinerkrankung wie etwa einer Durchblutungsstörung. Bei dieser Form des Strabismus ist der der Schielwinkel in unterschiedlichen Blickrichtungen nicht genau gleich.

Symptome des Schielens

Stärkere Formen des Strabismus sind deutlich an der Augenstellung zu erkennen. Damit auch eine leichtere Ausprägung frühzeitig auffällt, sollten Eltern betroffener Kinder oder Betroffene auf folgende Symptome achten:

  • Zukneifen der Augen
  • Kopfschiefhaltung
  • ungeschickte Bewegungen
  • Sehen von Doppelbildern
  • verschwommenes Sehen
  • Schwindel

Sieht die betroffene Person ganz plötzlich Doppelbilder und kommen noch weitere Symptome wie herunterhängende Mundwinkel, Lähmungserscheinungen oder Sprachstörungen hinzu, kann ein Schlaganfall das Schielen verursachen. Dann handelt es sich um einen Notfall, der sofort behandelt werden muss.

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Kann man Schielen behandeln/beheben?

Je früher ein Augenarzt die richtige Diagnose treffen kann, desto erfolgreicher kann er das Schielen behandeln. Die Art der Behandlung richtet sich nach der Ursache und der Stärke des Strabismus. Häufig hilft den Betroffenen bereits eine Brille, wenn etwa eine Weitsichtigkeit die Ursache des Schielens ist oder sich die Fehlsichtigkeit beider Augen stark unterscheidet. Manchmal kommt eine spezielle Prismenbrille zum Einsatz, die ein Schielen bis zu einer gewissen Ausprägung ausgleichen kann. Vor allem bei Kindern umfasst die Therapie eines Strabismus und einer damit einhergehenden Sehbehinderung zudem oft eine sogenannte Okklusionsbehandlung. Dabei wird das "gute" Auge mit einem Pflaster zeitweise abgeklebt, um das schielende und meist sehschwache Auge zu fördern. Reichen diese Behandlungsschritte noch nicht aus, kommt eine Operation infrage. Der Augenarzt passt dann die äußeren Augenmuskeln an, um die Fehlstellung zu korrigieren. Ist eine andere Erkrankung der Grund für das Schielen, behandeln Ärzte zunächst diese Erkrankung. Bleibt weiterhin ein Schielen zurück, ist eine OP auch in diesem Fall erforderlich.

Schielen behandeln bei Kindern
Schielen beheben | Quelle: © kukurund / Shutterstock.com

Schielen bei Kindern

Bei kleinen Kindern befindet sich der gesamte Sehsinn noch in der Entwicklung. Normalerweise liefern beide Augen ein leicht unterschiedliches Bild der Umgebung. Das Gehirn verrechnet diese beiden Bilder miteinander und erstellt daraus ein einziges Bild. Dies ermöglicht das dreidimensionale Sehen. Beim Strabismus ist der Unterschied zwischen den beiden Bildern so groß, dass das Gehirn daraus kein einzelnes Bild zusammenstellen kann. Erwachsene sehen dann meist Doppelbilder. Das kindliche Gehirn unterdrückt hingegen eines der beiden Bilder, um Doppelbilder zu vermeiden. Ist nur ein Auge vom Schielen betroffen, sieht das Kind permanent mit dem anderen Auge. Das schielende Auge benutzt es gar nicht, wodurch es das beidäugige Sehen nicht erlernt. Es entsteht eine Schwachsichtigkeit, die sich nicht mehr vollständig beheben lässt, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Daher sollte eine Behandlung so früh wie möglich erfolgen. Ein gelegentlich auftretendes Schielen beim Baby in den ersten drei Lebensmonaten kann aber noch völlig harmlos und ein Ausdruck der Sehentwicklung sein.

Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Eine Behandlung des manifesten Schielens bei Kindern ist zwingend notwendig, damit sich keine bleibende Schwachsichtigkeit entwickelt. Deshalb werden die Kosten einer Schielbehandlung von den Krankenkassen übernommen. Auch die Kosten für eine Kinderbrille werden von den Krankenkassen anteilig übernommen. Bei Erwachsenen ist die Kostenübernahme eingeschränkter und bei einer einfachen Brille nicht vorgesehen. Wenn aber eine starke Fehlsichtigkeit vorliegt oder eine Prismenbrille benötigt wird, übernimmt die Krankenkasse ebenfalls einen Teil der Kosten. Eine Operation wird bei Erwachsenen von der Krankenkasse erstattet, wenn eine medizinische Indikation vorliegt.  Die Augenuntersuchung bei einem Strabismus bezahlt die Krankenkasse in jedem Fall.