Einstärkenbrille
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Einstärkenbrille

Eine Einstärkenbrille korrigiert nur eine Fehlsichtigkeit auf einmal und kommt bei verschiedenen Sehschwächen zum Einsatz.

Einstärkenbrille – Vorteile und Nachteile | © nortonrsx / iStockphoto.com
Experte Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Wesemann Lesezeit Statistik

Sie ist der Klassiker unter den Alltagsbrillen und mit 58 Prozent die meistverkaufte Brille in Deutschland. Einstärkengläser sind für einen bestimmten Sehbereich optimiert. Zu ihr greift, wer beispielsweise die kleine Schrift auf dem Smartphone schlecht oder Verkehrsschilder sehr spät erkennen kann.

Was ist eine Einstärkenbrille?

Der Name ist Programm: Einstärkenbrillen haben im Vergleich zu Mehrstärkengläsern nur eine Glasstärke und korrigieren damit über das ganze Glas hinweg auch nur eine bestimmte Fehlsichtigkeit. Das können Kurzsichtigkeit (Myopie), Weitsichtigkeit (Hyperopie) und oft in Kombination damit eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) sein.

Einstärkengläser sind für Menschen unter 45 eine gute Lösung. Da sich in jungen Jahren das Auge noch selbsttätig von der Ferne auf die Nähe einstellen lässt, können junge Erwachsene mit einer Einstärkenbrille in allen Entfernungen deutlich sehen.

Ganz anders verhält es sich bei älteren Menschen ab dem 45. Lebensjahr. In diesem Alter wird es für die Augenlinse immer schwieriger, auf Nähe und Ferne scharf zu stellen. Hier sind Einstärkengläser nur noch für Fehlsichtige sinnvoll, die eine Brille für eine bestimmte Entfernung benötigen: die Fernbrille zum Autofahren, die Nahbrille zum Lesen über eine Distanz von zirka 40 Zentimeter oder spezielle Arbeitsbrillen für Zwischendistanzen. Hochwertige Materialien und moderne Fertigungsverfahren machen die Gläser selbst mit hohen Dioptrien-Werten zu dünnen Leichtgewichten.

Vorteile einer Einstärkenbrille

Der große Vorzug: Weil die Gläser über die gesamte Fläche auf eine Sehschwäche und einen bestimmten Sehabstand ausgelegt sind, ist eine scharfe, präzise Sicht bis in den Randbereich möglich. Es gibt weder Verzerrungen noch Unschärfen. Ebenfalls überzeugend: Im Vergleich zu Gleitsichtbrillen müssen die Träger*innen von Einstärkenbrillen beim Lesen auf der Suche nach dem richtigen Blickwinkel den Kopf nicht ständig heben und senken.

Ein weiterer Vorteil neben der spontanen Verträglichkeit ist der Preis. Unabhängig von Material, Veredelung und Hersteller können Einstärkengläser günstiger hergestellt werden als Mehrstärken- oder Gleitsichtbrillen mit ihren vielen individuellen Parametern.

Nachteile einer Einstärkenbrille

Spätestens mit Einsetzen der Alterssichtigkeit braucht jeder Fehlsichtige zwei Einstärkenbrillen – eine für die Ferne und eine für die Nähe. Kurzsichtige kommen noch mit einer Lesebrille aus, wenn sie Kontaktlinsen für die Weite tragen. Viele Alterssichtige nutzen bequemerweise dann eine Gleitsichtbrille. Der ständige Brillenwechsel ist somit passè.

Verlockend, aber gefährlich: Einstärkenbrillen gibt es in vielen Drogerien und Discountern. Die Standardmodelle mögen als Ersatzbrille und zwischendurch für das Überfliegen der Speisekarte funktionieren. Sie ersetzen aber nicht den Sehtest und die individuelle Anpassung bei Augenoptiker*innen/Optometrist*innen mit Messung der Sehstärke, der Pupillendistanz und einer eventuell vorhandenen Hornhautverkrümmung. Außerdem stecken in den Billigbrillen immer zwei Gläser derselben Sehstärke. Aber wer hat schon zwei Augen, die gleich gut sehen?

Einstärkenbrille als Fernbrille

Für viele Menschen bis 45 ist die Fernbrille längere Zeit die Sehhilfe schlechthin. Egal, ob sie beim Autofahren, Sport oder in der Schule für gute Sicht sorgt. Mit ihr erscheinen Kurzsichtigen weit entfernte Dinge wieder deutlich. Und Weitsichtige können mit ihr entspannt und stressfrei schauen. Das heißt nicht, dass sie in der Nähe automatisch verschwommen sehen. Junge Augen sind noch gut in der Lage zu akkommodieren und ihre Linse für die Nähe scharf zu stellen.

Einstärkenbrille zum Nahsehen - darauf sollten Sie achten | © clipse_images / iStockphoto.com Einstärkenbrille zum Nahsehen

Einstärkenbrille als Nahbrille

Ab 45 haben früher oder später alle das Problem: Die Alterssichtigkeit schleicht sich in die Augen. Lesen, nähen, schreiben – alle Naharbeiten bis 40 Zentimeter fallen immer schwerer. Schuld daran ist die nachlassende Flexibilität der Linse, die den Abstand zum Buch oder Smartphone nicht mehr korrigieren kann.

Dann braucht man eine Nah- beziehungsweise Lesebrille, die ja nicht umsonst so heißt. Kontaktlinsenträger*innen und Normalsichtige sind mit einer Halbbrille gut beraten: Alles Nahe ist gut erkennbar und über den Brillenrand hinaus alles Ferne auch. Die Alternative wäre ein ständiger Wechsel von der Alltags- zur Lesebrille.

Einstärkenbrille bei Sehschwächen

Einstärkengläser punkten, wenn jeweils nur eine Fehlsichtigkeit korrigiert werden muss – Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit; oft ist dabei auch eine Hornhautverkrümmung im Spiel. Mehr über die einzelnen Sehschwächen, deren Ursachen und die Gläser:

Einstärkenbrille bei Kurzsichtigkeit

Wer kurzsichtig ist, sieht in der Nähe problemlos, in der Ferne dagegen unscharf und verschwommen. Die aus der Ferne kommenden Lichtstrahlen bündeln sich nicht wie bei Normalsichtigen auf der Netzhaut, sondern davor. Ursachen: Der Augapfel ist entweder zu lang oder die Brechkraft der Linse zu hoch, manchmal trifft auch beides zu. Kurzsichtigkeit wird oft vererbt.

Klare Sicht bringen sogenannte Zerstreuungslinsen. Die leicht konkaven Gläser mit Minuswerten sind am Rand dicker als in der Mitte und vereinen die Lichtstrahlen wieder exakt auf der Netzhaut.

Einstärkenbrille bei Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Weitsichtige haben „Adleraugen“ für die Ferne, in der Nähe sehen sie hingegen unscharf. Anders als bei Kurzsichtigen treffen die Lichtstrahlen sich nicht vor der Netzhaut, sondern dahinter. Das kann an einem zu kurzen Augapfel, einer zu geringen Brechkraft der Augenlinse oder einer Kombination aus beiden liegen. Für Abhilfe sorgen sogenannte Sammellinsen mit Pluswerten. Mit ihrer leicht konvexen Form – in der Mitte dicker als am Rand – verschieben sie den Brennpunkt der einfallenden Lichtstrahlen nach vorn direkt auf die Netzhaut.

Einstärkenbrille bei Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)

Betroffene sehen verzerrte, unscharfe Bilder. Der „Knick in der Optik“ beruht auf einer ungleichmäßig geformten Hornhaut. Die ins Auge einfallenden Lichtstrahlen vereinen sich nicht auf einem Brennpunkt, sondern es entstehen zwei Brennlinien in Form zweier Stäbchen. Aus diesem Grund wird die Sehschwäche auch Stabsichtigkeit (Astigmatismus) genannt. Die Hornhautverkrümmung tritt oft in Verbindung mit einer Kurz- oder Weitsichtigkeit auf.

Die Lösung bringen torische Gläser. Sie rücken das verzerrte Bild mit einem zusätzlichen optischen Schliff im Glas wieder gerade. Erkennbar an den Angaben im Brillenpass für die Achse (A, Ach) und den Zylinder (ZYL, Cyl).

Unterschied zwischen Einstärkenglas, Mehrstärkenglas und Gleitsichtglas

Auf einen Nenner gebracht: Alle drei unterscheiden sich hinsichtlich der eingearbeiteten Sehstärken und der Verarbeitung.

Einstärkengläser sind perfekt für Augen mit nur einer Fehlsichtigkeit und die ansonsten noch gut akkommodieren können. Sie kommen aber auch für Alterssichtige infrage, die mit der Lesebrille klarkommen.

Mehrstärkengläser eignen sich für Alterssichtige, denen das Sehen in unterschiedlichen Entfernungen schwerfällt. Man unterscheidet zwischen bi- und trifokalen Brillen sowie Gleitsichtbrillen. Bi- und trifokale Brillen ermöglichen das Sehen in zwei und drei verschiedenen Entfernungen von oben nach unten von der Fern- in die Nahsicht – allerdings mit abrupten Übergangen. Die dabei entstehenden, sichtbaren Bildsprünge sind gewöhnungsbedürftig und daher auch nicht mehr zeitgemäß.

Gleitsichtgläser bieten unter den Mehrstärkengläsern den höchsten Sehkomfort. Der Übergang in die unterschiedlichen Distanzen von der Ferne über alle Zwischenentfernungen bis in die Nähe verläuft stufenlos. Es gibt keine Trennlinien wie bei den bi- und trifokalen Gläsern. Scharfe Sicht und schneller Fokus in jede Richtung, jede Entfernung – eine perfekte Brille für den Alltag.