Kantenfilterbrille / Kantenfiltergläser
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Die Kantenfilterbrille

Kantenfilterbrille für Makuladegeneration | Quelle: © maki_shmaki / iStockphoto.com
Experte Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Wesemann Lesezeit Statistik

Als Schutz vor zu hellem, blendendem Licht reicht den meisten, normalsichtigen Menschen eine normale Sonnenbrille. Das gesunde Auge ist genügend anpassungsfähig für solche Situationen. Menschen mit besonderen Sehschwächen benötigen jedoch oftmals eine weitere Unterstützung, um ihre Augen vor intensiver Lichteinstrahlung zu schützen. Ansonsten werden sowohl die Sehschärfe als auch die Wahrnehmung von Kontrasten beeinträchtigt. Eine Kantenfilterbrille kann hier helfen.

Was ist ein Kantenfilter?

Bei einem Kantenfilterglas handelt es sich um ein auf eine spezielle Weise getöntes Brillenglas. Es ist in der Lage, bestimmte Farben des sichtbaren Lichts vollständig herauszufiltern. Die genaue Tönung des Glases wird davon beeinflusst, welcher Teil des Lichts herausgefiltert werden soll. Der Grund für den Namen Kantenfilter: Die Wellenlänge, ab welcher kein Licht mehr durchgelassen wird, bezeichnet man als Kante.

Wie wirken Kantenfilter?

Was wir als weißes Licht wahrnehmen, ist bekanntlich eine Zusammensetzung aus den Spektralfarben. Diese sind uns als Farben des Regenbogens bekannt. Insbesondere das energiereiche und kurzwellige blaue Licht ist für einige Menschen mit Sehbeeinträchtigungen problematisch. Es kann die Netzhaut schädigen und zu starker Blendung führen. Durch letztere kommt es zu einem unschärferen und weniger kontrastreichen Sehen. Ist ein Auge vorbelastet, zum Beispiel durch eine Netzhauterkrankung oder eine Trübung der Linse, verstärkt sich dieser Effekt.

Für gesunde Menschen gibt es Blauabschwächer, die einen Teil des blauen Lichts absorbieren und so für ein kontrastreicheres Sehen sorgen. Reicht ein Blauabschwächer nicht aus, kann ein Blue-Blocker helfen. Dieser absorbiert ab einer bestimmten Wellenlänge das gesamte blaue Licht - und ist somit laut Definition auch ein Kantenfilter. Der Blue-Blocker verschluckt das blaue und violette Licht. Das Gefühl der Blendung verschwindet. Alles wird schärfer und kontrastreicher wahrgenommen.

Was ist jetzt der Unterschied zur Sonnenbrille? Sie absorbiert die Farben des Spektrums zwar ebenfalls unterschiedlich stark. Doch im Vergleich zum Kantenfilter lässt sie jedoch das Licht des gesamten Spektrums passieren. Deshalb reicht sie für die besonderen Ansprüche vorbelasteter Augen oftmals nicht aus.

Für wen sind Brillengläser mit Kantenfilter geeignet?

Brillengläser mit Kantenfilter sind bei verschiedenen Sehschwächen zu empfehlen. Dazu gehört auch die Makuladegeneration. Das ist eine Erkrankung der Netzhaut, bei der die Sehschärfe und die Lesefähigkeit immer schlechter wird. Viele Ärzte meinen, dass das blaue Licht zu einer Verschlimmerung der Krankheit führt. Der Grund: Blaues Licht erzeugt freie Radikale im Netzhautgewebe. Deshalb ist hier das Tragen einer Brille mit Kantenfilter sinnvoll. Gleiches gilt für die Retinitis Pigmentosa und Morbus Stargardt. Diese Krankheiten sind zwar nach wie vor nicht heilbar, jedoch können ihre Symptome, wie erhöhte Blendempfindlichkeit, durch die Wirkungsweise der Kantenfilter gelindert werden.

Sogar bei einer Rot-Grün-Schwäche kann ein Kantenfilter sinnvoll sein. Sie gleicht die eingeschränkte Farbwahrnehmung durch eine Verstärkung der sichtbaren Kontraste aus. Liegt eine mittelstarke Rot-Grün-Schwäche vor können Gläser verwendet werden, die durch ihre Filtereigenschaften die roten und grünen Anteile des Farbspektrums intensivieren. Voraussetzung für eine Wirkung ist eine noch ausreichende Menge an Sinneszellen zur Wahrnehmung der ansonsten nur schwach erkennbaren Farben.

Teilweise finden Blauabschwächer auch bei normalsichtigen Menschen Einsatzmöglichkeiten. Sinnvoll können sie hier beispielsweise zur Erhöhung von Kontrasten bei heller Umgebung sein zum Beispiel beim Skifahren oder anderen Outdoor-Sportarten. Auch bei intensiver und langer Arbeitszeit an Computer- oder Smartphone-Bildschirmen werden sie zum Schutz vor blauem Licht eingesetzt.

Ist die Kantenfilterbrille auch für Kinder geeignet?

Auch von Kindern können Kantenfilterbrillen getragen werden. Sinnvoll sind sie insbesondere bei angeborenen Beeinträchtigungen der Sehfähigkeit. Dazu zählt beispielsweise die sehr seltene totale Farbenblindheit (Achromatopsie), eine Farbblindheit, die oft mit extremer Lichtempfindlichkeit einhergeht. Die Wirkungsweise der Kantenfilter kann hierbei Linderung verschaffen.

Kantenfilterbrille auch als Sonnenbrille?

Die Gläser von Kantenfilterbrillen können mit einer entsprechenden Tönung auch als Sonnenbrille gefertigt werden. Das Aufbringen einer zusätzlichen Brauntönung macht eine Nutzung der Brille auch bei intensivem Licht möglich. Sie erhöht außerdem die Attraktivität der Kantenfilter.

Wichtig: Kantenfilterbrille richtig anpassen lassen!

Eine gute Kantenfilterbrille sollte richtig angepasst sein. Es ist nicht möglich, bestimmten Sehschwächen entsprechende Filter allgemeingültig zuzuordnen. Daher sind eine gründliche Beratung und Anpassung der Kantenfiltergläser notwendig, um die individuellen Bedürfnisse des Trägers oder der Trägerin erfüllen zu können.

Dazu zählt einerseits die Auswahl der richtigen Tönung, die angenehm zu tragen sein sollte - aber auch ein ausreichend langer Alltagstest. Der Tragekomfort wird unter anderem von den wechselnden Lichtverhältnissen beeinflusst. Deshalb werden nicht selten für verschiedene Trage-Situationen auch verschiedene Kantenfilterbrillen benötigt. Und Achtung: ein Kantenfilter verändert immer auch die Farbwahrnehmung. Er schränkt somit oft die Verkehrstüchtigkeit ein.

Manchmal ist es sinnvoll, über die Anschaffung einer Brille mit seitlichen Kantenfiltern nachzudenken. Sie schützt das Auge zusätzlich vor seitlich einfallendem Licht.

Tipp: Entsprechend geschulte Augenoptiker helfen bei der richtigen Auswahl und Anpassung einer Kantenfilterbrille gerne weiter. Je nach Notwendigkeit übernimmt die Krankenkasse sogar die Kosten.