Sichere Verkehrsteilnahme üben
Eltern und Erzieher sind gefordert: Bereits die Jüngsten müssen das Verhalten auf der Straße trainieren. Die Grundregeln sollten frühzeitig, möglichst schon im Kita-Alter, vermittelt werden. Um einmal auf Augenhöhe mit den Kleinen zu sein, begeben sich Erwachsene am besten in die Hocke. So können sie in etwa abschätzen, was die Kinder sehen und was nicht.
Das ist hilfreich, um beispielsweise mit dem Kind an der Hand vorzumachen, wie und wo die Straße sicher zu überqueren ist:
- eine gut einsehbare Stelle suchen,
- an der Bordsteinkante stehen bleiben,
- nach links, nach rechts und noch mal nach links schauen,
- zügig, aber ohne zu rennen, und auf geradem Weg auf die andere Straßenseite gehen, wenn alles frei ist,
- nicht zwischen parkenden Autos und Sträuchern, hinter dicken Bäumen und Bauzäunen auf die Straße laufen, denn hier ist die Sicht auf die Fahrbahn eingeschränkt,
- Zebrastreifen oder Ampelübergänge in der Nähe benutzen, dabei aber trotzdem heranfahrende Autos, Motorräder und Fahrräder im Blick behalten.
Naht der Tag der Einschulung, sollten Eltern ihre Kinder rechtzeitig auf den Schulweg vorbereiten:
- einen sicheren Weg zur Schule finden,
- mit dem Abc-Schützen schon vor dem ersten Unterrichtstag den Schulweg üben und unterwegs auf Stellen aufmerksam machen, an denen er besonders genau hinschauen muss,
- das Kind mit geschickten Fragen prüfen, ob es alles gesehen und wahrgenommen hat – das ist auch wichtig für die Orientierung,
- den Erstklässler nur so lange zur Schule begleiten, wie er es möchte – die Eltern sollten sich aber sicher sein, dass er den Schulweg problemlos bewältigen kann,
- für den Schulweg lieber ein paar Minuten mehr einplanen, damit das Kind nicht unter Zeitdruck gerät und auch an kritischen Punkten der Strecke genau nachschauen kann.
Mit sieben Jahren können die Kleinen rechts und links gut voneinander unterscheiden, mit acht fangen sie an, Entfernungen richtig zu beurteilen. Aber selbst 14-Jährigen gelingt es nicht immer, Geschwindigkeiten nahender Fahrzeuge korrekt einzuschätzen. Außerdem reagieren sie noch langsamer als Erwachsene.
Doch Übung macht den Meister. Wer gut und ausreichend trainiert, wird fit. Diese Fitness für den Straßenverkehr holen sich die Kinder nicht per Elterntaxi, sondern zu Fuß. Auf diese Weise schulen sie ihr räumliches Sehen und die Wahrnehmung von Entfernungen. Eltern, die täglich mit dem Auto vor Kita oder Schule vorfahren, tragen nicht zum sicheren und verantwortungsbewussten Verhalten ihres Nachwuchses auf der Straße bei. Zudem bergen heraneilende, bremsende und startende Elterntaxis ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für Klein und Groß. Bleibt nur die Fahrt im Auto, sollten Mutter oder Vater zumindest ein paar hundert Meter entfernt von Kita oder Schule anhalten und mit dem Kind den restlichen Weg zu Fuß gehen.
Verkehrsexperten, Kinderorganisationen, Lehrer, Erzieher oder Polizei haben das Problem erkannt. Mit Schulweg-Ratgebern oder Aktionen wie „Zu Fuß zur Schule oder zum Kindergarten“, „Stoppt das Elterntaxi“ oder „Sicherer Schulweg“ wollen sie Eltern und Kindern bewusste Wahrnehmung im Straßenverkehr nahebringen. So können die Kids lernen, Verkehrssituationen gut zu erkennen und zu beurteilen, die Straße gefahrlos zu überqueren und sich selbst als Verkehrsteilnehmer korrekt zu bewegen. Das bringt neben Sicherheit auch Erfolgserlebnisse und stärkt das Selbstbewusstsein.