VR-Brille (Virtual Reality)
Brillen

VR-Brille

Mit der VR-Brille durch die virtuelle Welt. Worauf Sie beim Kauf und bei Gebrauch einer Virtual Reality (VR)-Brille achten sollten, erklären wir Ihnen gerne.

Mit der VR-Brille die virtuelle Welt erleben! Darauf sollte beim Kauf einer VR-Brille geachtet werden. | © Roman Zaiets / Shutterstock.com
Experte Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Wesemann Lesezeit Statistik

Einmal durchs Weltall fliegen. Einmal beim Finale der Fußball-WM in der ersten Reihe sitzen. Einmal mit Reinhold Messner den Kilimandscharo besteigen. Alles ist möglich. Wie in echt, nur anders – mit Virtual Reality (VR). Für das Eintauchen in eine nicht existierende, virtuelle Welt (Immersion) braucht es VR-Brillen.

Seit Jahren schon nutzt nicht nur die Spiele-Industrie diesen Effekt. Unternehmen greifen zur VR-Technik, um Produkte vorzustellen, Museen laden zum virtuellen Rundgang, Lehrer erklären das Herz in 3D. Die wichtigsten VR-Anbieter sind Facebook, HTC, Sony und Valve.

Dass die vorgaukelte Realität boomt, zeigen die Verkaufszahlen: Das Datenportal Statista prognostiziert für 2024 einen weltweiten Absatz von Virtual Reality- und Augmented Reality (AR)-Brillen von rund 76,7 Millionen Stück. Doch wie genau funktioniert VR? Worauf ist beim Kauf der Brillen zu achten? Und welche Risiken drohen?

Was ist eine VR-Brille?

VR-Brillen ermöglichen räumliches Sehen. Das unterscheidet das Erlebnis vom Schauen auf normale Bildschirme wie TV oder Smartphone. Mehr noch: VR-Brillen schicken uns nicht nur in einen virtuellen Raum, wir können darin scheinbar grenzenlos in alle Richtungen sehen, gehen und interagieren.

Im robusten, lichtundurchlässigen Headset, das mit Gurten auf dem Kopf gehalten wird, steckt die notwendige Technik: optische Linsen, die im Zusammenspiel mit den Displays der Bildquelle das 3D-Bild erzeugen, je nach Modell Fokus- und Linseneinstellung, Kopfhörer und Abstandshalter für Brillen. Das allein reicht aber noch nicht. Erst mit einer verknüpften Sensorik, die die Lage und Position des Kopfes mit einbezieht (Headtracking), entsteht der virtuelle Eindruck. Die Hardware für die Bildquelle liefern Computer, Konsole oder Smartphone. Je besser sie ist, desto besser ist das VR-Bild/Erlebnis.

Wir unterscheiden drei Typen von VR-Brillen, die sich in ihrer Funktionsweise ähneln:

  • VR-Smartphone-Halterung. Das Smartphone wird in ein VR-Headset gesteckt und funktioniert als Display. Die virtuellen Inhalte liefern Apps oder Youtube. Gut für den Einstieg in die VR-Welt, aber keine wirkliche Immersion. Beispiele: Samsung Gear VR, Google Cardboard.
  • VR-Brille mit integriertem Display. Die Illusion kommt von Computern oder Spielekonsolen. Es gibt die Modelle mit Kabel und kabellos. Voraussetzung für ein gutes VR-Erlebnis sind leistungsstarke Rechner. Beispiele: HTC Vive Pro, Valve Index, Oculus Rift, PlayStation 4, HP Reverb G2. Das Beste, was der VR-Markt derzeit bietet.
  • VR-Brille mit eigenem Rechner. Die autarke Brille übernimmt alle Aufgaben selbst – ohne PC oder Smartphone. In der All-in-one-Lösung stecken Hardware und Tracking-System. Beispiele: Oculus Quest und Quest 2.

Wie funktioniert die Virtual Reality-Brille?

Grundlage für das Sehen in 3D ist das stereoskopische Sehen unserer Augen. Beide unterscheiden sich leicht im Winkel, sodass das rechte Auge mehr von der rechten Seite und das linke Auge mehr von der linken Seite sieht. Das Gehirn fügt beide Informationen zusammen. Wir sehen räumlich.

Genau dieses Sehen simuliert die VR-Brille. Statt auf einen Monitor (TV) schauen wir auf zwei unterschiedliche Displaybilder in der Brille, die im Gehirn zu einem 3D-Bild kreiert werden. Weil die Display-Bilder aber nur wenige Zentimeter vom Auge entfernt sind, können sie trotz Akkomodation nicht scharf gestellt werden. Hier kommen die zwei Linsen ins Spiel. Sie brechen das Bild so, dass es auf der Netzhaut korrekt abgebildet wird – wie eine starke Lesebrille.

Unterschied zwischen VR-Brillen und AR-Brillen

Virtual Reality blendet die Wirklichkeit aus. Träger*innen einer VR-Brille tauchen in eine komplett künstlich erzeugte Welt. Die Augmented Reality (übersetzt: erweiterte Realität) ergänzt hingegen die Wirklichkeit mit virtuellen Objekten. Durch eine AR-Brille sieht man also weiterhin die Umgebung, auf den Brillengläsern werden jedoch zusätzliche Inhalte angezeigt

Darauf sollten Sie bei dem Kauf einer VR-Brille achten

Sich generell auf einzelne Kaufkriterien wie breites Sichtfeld, hochauflösendes Display, präzises Tracking oder einstellbarer Linsenabstand zu konzentrieren, wäre zu kurz gegriffen. Vielmehr kommt es vor allem auf diese Fragen an: Wie will man die Technik einsetzen? Welche Hardware und wie viel Platz sind vorhanden? Wie technisch fit ist der Nutzer? Und wo liegt die Preis-Schmerzgrenze? Dass die VR-Brille mit PC, Konsole oder Smartphone kompatibel sein sollte und sie komfortabel und sicher sitzen muss, versteht sich von selbst. Hilfe gibt es bei auf VR-Brillen spezialisierten Optikern. Sie beraten, welche Lösung die optimale ist.

Sind VR-Brillen auch für Brillenträger*innen geeignet? | © UfaBizPhoto / Shutterstock.com VR-Brillen für Brilleträger

Können auch Brillenträger*innen VR-Brillen nutzen?

Ja. VR-Brillen sind je nach Größe mit der normalen Brille nutzbar. Kleine Alltagsbrillen passen bequem darunter, große eher nicht. Aber selbst wenn das klappt, kann die Alltagsbrille verrutschen und das relativ weiche VR-Glas zerkratzen.

Mittlerweile gibt es Sehstärke-Linsen-Einsätze für VR-Brillen. Sie werden über die Linsen der VR-Brille gesetzt und rasten dort ein. Im Angebot sind alle gängigen Sehstärken und Sonderanfertigungen. Empfehlenswert sind zusätzlich Blaufilter, die die Augen während des Spiel- oder Filmvergnügens entlasten und später das Einschlafen erleichtern. Bei VR-Brillen, in denen die Pupillendistanz nicht einstellbar ist, wird der Wert bei der Bestellung angegeben, um Abbildungsfehler auszugleichen. Die Sehstärkeneinsätze können bei Augenoptikern über deren Kooperation mit VR-Optikern bestellt werden.

Kontaktlinsenträger haben es einfacher. Sie tragen die Linsen bequem unter der VR-Brille. Vorausgesetzt, die Augen werden dabei nicht zu trocken.

Kann eine VR-Brille den Augen schaden?

Die gesundheitlichen Folgen sind leider noch nicht ausreichend erforscht. Schließlich sind VR-Brillen erst wenige Jahre auf dem Markt. Fakt ist aber, dass der Blickwechsel zwischen realer und künstlicher Welt, also zwischen nah und fern, die Augen anstrengt. Das Sehsystem ist erheblich gefordert. Hinzu kommt, dass sich der Pupillenabstand nicht auf jeder VR-Brille verstellen lässt. Bei zu starker Abweichung zwischen Augen des Trägers und Brilleneinstellung verschwimmen die Bilder.

Einige Nutzer klagen über die sogenannte Motion Sickness, auch bekannt als See- oder Reisekrankheit. Die Betroffenen erleben Schwindelgefühle und Übelkeit. Hervorgerufen wird sie, weil die Informationen von zwei Sinnen nicht übereinstimmen. Die Augen signalisieren Bewegung, das Innenohr Stillstand. Im Ergebnis ist das Gehirn verwirrt, es löst Unwohlsein aus.

Unabhängig davon kann es bei nicht vorgeschriebenem Gebrauch der VR-Brille zu Unfällen kommen. Wer beispielsweise damit herumläuft, stolpert schnell mal über das Kabel, den Teppich, den Hund.

Zeitliche Begrenzung für das Tragen von VR-Brillen?

VR-Hersteller raten, spätestens nach einer Stunde eine Pause von mindestens 15 Minuten einzulegen und nach dem Spiel eine längere Ruhezeit, um wieder in der Realität anzukommen.

VR-Brillen für Kinder geeignet?

Augenärzte und Hersteller empfehlen den Gebrauch von VR-Brillen aufgrund möglicher Augenschäden erst für Kinder ab 12 Jahren. Dafür gibt es gute Gründe: Kinderaugen und Gehirn müssen das räumliche Sehen erst lernen. Dazu benötigen sie eben diese zwölf Jahre. Außerdem begünstigen die reale Nähe des Displays und der Mangel an Tageslicht die Kurzsichtigkeit. Darüber hinaus können folgende Sehprobleme auftreten:

  • Kopfschmerzen
  • Unscharfe Bilder und Doppelbilder
  • Schielende Kinder können räumliche Bilder meist nicht wahrnehmen
  • Pupillenabstand von Kind und Brille oft nicht kompatibel
  • Schwierigkeit junger Menschen, die Augenstellung an die Nähe anzupassen

Nicht zu unterschätzen ist auch das Suchtpotenzial. Anders als in der Schule gelangen Kinder beim VR-Spiel einfacher und schneller zu Erfolgen und Belohnungen