Sehschwäche

Grauer Star (Katarakt) – Ursachen, Symptome, Vorbeugung und Behandlung

Grauer Star
Grauer Star Augenkrankheit | Bild: © contrastwerkstatt / Fotolia.com

Die Augenkrankheit Grauer Star (Katarakt)

Der Graue Star (Katarakt) - nicht zu verwechseln mit der Augenkrankheit „Grüner Star“ – ist eine Eintrübung der Augenlinse. Sie tritt vor allem bei Menschen ab dem 60 Lebensjahr auf, selten bei Jüngeren. Die Trübung verschleiert den Blick schleichend: Das Sehen verschlechtert sich, im Extremfall droht Blindheit.

Der Graue Star ist in den meisten Fällen eine altersbedingte Veränderung. Aber auch Allgemeinerkrankungen wie Diabetes, Entzündungen des Auges oder die Sonnenstrahlung können den Grauen Star hervorrufen.

Abhilfe schafft eine unkomplizierte Operation, bei der die getrübte Augenlinse gegen eine Kunstlinse ausgetauscht wird. Die Operation ist ein Routineeingriff: Etwa 800.000 Menschen werden pro Jahr in Deutschland am Grauen Star operiert. Die Kosten für die Operation übernimmt in der Regel die Krankenkasse. Nur bei „Sonderleistungen“, etwa bei bestimmten Linsen, muss mit Zuzahlungen gerechnet werden.

Bedienung: Bewegen Sie die Schieberegler hin und her um die beiden Seheindrücke miteinander zu vergleichen.

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Grauer Star Ursachen und Symptome

Welche Ursachen hat der Graue Star?

Der Graue Star ist in über 90 Prozent aller Fälle eine „normale“ altersbedingte Veränderung des Auges. „Jeder Mensch bekommt den Grauen Star - vorausgesetzt er wird alt genug“, erklärte Prof. Sautter, ehem. Direktor der Univ. Augenklinik in Hamburg.

Die genauen Ursachen des altersbedingten Grauen Star sind noch unklar. Eine erbliche Belastung ist häufig. In ca. 9 Prozent aller Fälle sind Allgemeinerkrankungen (z.B. Diabetes, Neurodermitis), Augenerkrankungen, Verletzungen des Auges  oder Medikamente (z.B. Kortison) die Ursache für die Eintrübung der Augenlinse. Ein erhöhtes Risiko am Grauen Star zu erkranken hat ebenfalls, wer seine Augen ungeschützt den UV-Strahlen aussetzt. Nur in ca. 1% aller Fälle ist der Graue Star angeboren.

Wie entsteht der Graue Star?

Die Entstehung des Grauen Star ist verschieden. Eine der Ursachen ist eine altersbedingte Veränderung des Stoffwechsels. Eine jahrelange intensive Sonneneinstrahlung oder ein Mangel an essentiellen Fettsäuren können zu einer Austrocknung der Augenlinse führen. Der  Wassergehalt nimmt ab, die Linse verhärtet und trübt sich ein und verschleiert den Blick. Das einfallende Licht kann nicht mehr ungehindert zur Netzhaut durchdringen und wird zudem noch gestreut. Die Folge: Auf der Netzhaut entstehen keine scharfen Bilder mehr.

Welche Symptome zeigen sich beim Grauen Star?

Die Eintrübung der Augenlinse verläuft meistens sehr langsam. Die Sehschärfe bleibt anfänglich noch recht gut. Doch die Konturen verschwimmen und die Farben werden blass. Erste Symptome sind eine erhöhte Blendempfindlichkeit beim Autofahren in der Nacht oder ein größerer Lichtbedarf beim Lesen. Durch die Trübung der Linse wird Streulicht auf der Netzhaut erzeugt. Dadurch kann sich das Kontrastsehen sehr stark verschlechtern. Objekte mit wenig Kontrasten, wie z. B. ein LKW im Nebel auf der Autobahn, können dann nur noch sehr schlecht oder gar nicht mehr erkannt werden.

Wenn sich die Trübung in der Mitte der Augenlinse befindet (Kernkatarakt), werden diese Personen häufig deutlich kurzsichtiger. Menschen, die vorher normalsichtig waren, brauchen dann zum Autofahren erstmals eine Fernbrille.

Später auftretende Symptome sind ein gestörtes Farbsehen und das Sehen von Doppelbildern. Auch der Nebelschleier wird mit der Zeit immer dichter.

Im Frühstadium lassen sich die Sehschwierigkeiten häufig durch eine veränderte Brillenstärke ausgleichen. Später hilft jedoch nur noch eine Operation.

Grauer Star Patient bei Spaltlampenuntersuchung
Untersuchung Grauer Star | Bild: © mmphoto / Fotolia.com

Wie und von wem wird der Graue Star festgestellt?

Die Eintrübung der Linse können Augenärzte und Optometristen in der Regel schnell und einfach feststellen. Sie machen dabei eine sogenannte Spaltlampenuntersuchung, die für den Patienten schmerzfrei ist.

Mit Hilfe der Spaltlampe kann man das äußere Auge mikroskopisch genau betrachten. Durch eine spezielle Lichtführung wird ein „optischer Schnitt“ durch das Auge gelegt. So lässt sich gut erkennen, welche Regionen der Augenlinse von der Trübung betroffen sind.

Einen fortgeschrittenen Grauen Star erkennen Augenärzte an der grauweiß erscheinenden Pupille. Daher auch der Name der Krankheit, der nichts mit dem Singvogel zu tun hat. Menschen, die früher am Grauen Star erkrankt sind, erblindeten oft und fielen durch einen starren Blick auf. Doch das ist Vergangenheit. Heute lässt sich der Graue Star problemlos behandeln.

Grauer Star OP – Ablauf, Kosten, Nachbehandlung

Behandlung Grauer Star
Behandlung Grauer Star | Bild: © Syda Productions / Fotolia.com

Wie verläuft die Operation am Grauen Star?

Der Graue Star kann nicht mit Medikamenten geheilt werden. Eine Operation ist die einzig effektive Behandlung um das Sehvermögen wiederherzustellen. Komplikationen sind dabei sehr selten, denn der Eingriff gehört zu den sichersten der gesamten Medizin. Zudem kann sich der Patient in aller Ruhe für einen Operationstermin entscheiden. Da der Graue Star in der Regel kein akuter Notfall ist, wird die Operation nicht risikoreicher, wenn sich der Eingriff etwas verzögert.

Der Augenarzt operiert unter örtlicher Betäubung und unter Verwendung von Ultraschall oder Laserstrahlen. Der chirurgische Eingriff dauert nicht länger als 20 Minuten. Dabei wird die eingetrübte Augenlinse entfernt und in den meisten Fällen durch eine künstliche Linse, eine sogenannte Intraokularlinse (IOL) ersetzt. Mit der Entfernung der getrübten Linse ist der Graue Star dauerhaft beseitigt. Er „wächst“ nicht mehr nach. Ein guter Aspekt der Operation ist, dass eine vorher vorhandene Fehlsichtigkeit (Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung) ohne großen Aufwand gleich mitkorrigiert werden kann.

Grauer Star Lasern
Grauer Star OP / Quelle: Spectaris

Bei den eingesetzten künstlichen Linsen sind sogenannte „Monofokallinsen“ der Standard. Sie stellen die Sicht auf eine bestimmte Entfernung ein. Wichtig ist auch, in welcher Entfernung der Patient nach der Operation ohne Brille optimal scharf sehen will. Bei älteren Menschen wird häufig eine minimale Kurzsichtigkeit von -0,5 dpt als Ziel angestrebt. Dann sieht man nämlich bei allen Hausarbeiten ohne Brille deutlich. Zum Lesen in 30 bis 40 cm Abstand wird aber weiterhin eine Brille benötigt.

Die sogenannten „Multifokallinsen“ erlauben hingegen eine relativ gute Sicht im Fern- als auch im Nahbereich. Multifokallinsen werden häufig mit der Bezeichnung „Premium Linsen“ beworben. Diese Bezeichnung ist aber umstritten, denn die Abbildungsqualität der Multifokallinsen ist derzeit noch wesentlich schlechter als die der Monofokallinsen. Viele Augenärzte raten deshalb von diesen Linsen ab. Außerdem fallen für den Patienten Zuzahlungen in erheblicher Höhe an.

Welche Nachbehandlung folgt auf die OP des Grauen Stars?

Schon einen Tag nach der Operation sehen Patienten in der Regel deutlich klarer. Die Heilung dauert meist sechs bis acht Wochen. Innerhalb von 3 Monaten – so ein Erfahrungswert – stellt sich die endgültige Sehschärfe ein. Das zweite Auge kann bereits wenige Tage nach dem ersten Auge operiert werden. Üblicherweise wird aber gewartet, bis das bereits operierte Auge ausgeheilt ist.

Falls es nach einer Operation am Grauen Star notwendig ist Brillengläser anzupassen, wird der Augenarzt abwarten, bis sich das Sehen stabilisiert hat und beide Augen gut zusammenarbeiten.

Alle modernen Kunstlinsen enthalten übrigens einen UV-Schutz, manche sogar noch einen zusätzlichen Blaulichtfilter. Vor unangenehmer und schädlicher Sonneneinstrahlung können sich Menschen mit einer Kunstlinse, wie alle anderen Menschen auch, durch eine herkömmliche Sonnenbrille schützen.

Was kostet die Operation am Grauen Star?

Grundsätzlich werden die Kosten für die Operation des Grauen Stars mit Hilfe einer Standardlinse von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Bei der Wahl einer Linse mit individuellen Zusatzfunktionen können Kosten entstehen, die aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Derzeit gibt es hierfür keine einheitliche Regelung in Deutschland. Ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Augenarzt hilft weiter. Er kann darüber aufklären, welche zusätzlichen Investitionen im Einzelfall nötig werden.

Grauer Star Nachbehandlung
Grauer Star Nachbehandlung | Bild: © Robert Kneschke / Fotolia.com

Welche Brille braucht man nach einer Operation des Grauen Stars?

Heute lassen sich künstliche intraokulare Linsen (IOL) in allen optischen Stärken herstellen. Der Arzt hat so die Möglichkeit, eine vor der Operation vorhandene Fehlsichtigkeit mit der Kunstlinse auszugleichen. Nach der Star-OP können die meisten Betroffenen dann recht gut ohne Brille sehen.

Die Wahl fällt in der Mehrzahl der Fälle auf eine intraokulare Linse, mit der der Patient nach der Operation in der Ferne gut sieht und ohne Brille Auto fahren kann. Bei älteren Menschen wird manchmal eine geringe Kurzsichtigkeit von etwa –0,5 Dioptrien angestrebt, damit sie sich im Haushalt ohne Brille gut orientieren können. Zum Lesen aber brauchen alle diese Personen eine Brille – entweder eine einfache Lesebrille, eine Zweistärkenbrille oder eine Gleitsichtbrille.

In den ersten Wochen nach der Star-Operation reicht meistens eine einfache und kostengünstige Fertigbrille zum Lesen. Eine bessere Brille lohnt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, denn das Auge verändert sich in der Heilungsphase nach der Operation. 

Haben sich die optischen Verhältnisse stabilisiert, sollte unbedingt eine genaue Brillenbestimmung beim Augenoptiker oder Augenarzt erfolgen – denn wirklich gutes Sehen lässt sich auch nach der Operation des Grauen Stars nur mit der richtigen Brille erreichen. Warum ist das so?

Zum einen haben weit mehr als die Hälfte aller Betroffenen zusätzlich zu ihrer Kurz- oder Weitsichtigkeit eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus). Der Astigmatismus wird bei der Operation des Grauen Stars im Normalfall nicht beseitigt. Die richtige Brille korrigiert diese postoperativ weiterhin vorhandene Hornhautverkrümmung und sorgt für optimale Sehschärfe. Dies gilt sowohl für den Blick in die Ferne als auch für das Lesen.

Zum anderen gelingt es bei der Star-Operation häufig nicht, die angestrebte Brillenfreiheit exakt zu treffen. Der Fehler ist zwar meistens klein, doch es können durchaus Abweichungen von 0,5 Dioptrien oder mehr auftreten. Zudem kommen auch Unterschiede zwischen dem rechten und dem linken Auge vor. Nur wenn diese ausgeglichen werden, ist entspanntes Sehen möglich. Der ausgeglichene, entspannte Zustand heißt binokulares Gleichgewicht. 

Drittens sollte gerade bei älteren Menschen versucht werden, alle optischen Fehler so gut wie möglich zu korrigieren. In höherem Alter funktioniert die Netzhaut des Auges nicht mehr so gut wie in jungen Jahren. Kommt noch eine nicht optimal korrigierte Fehlsichtigkeit hinzu, ist das Sehen stark beeinträchtigt und die Lebensqualität sinkt.

Kurz gesagt: Wer am Grauen Star operiert wurde, braucht auch danach eine Brille zum Lesen und eventuell eine Brille für die Ferne. Mit der richtigen, von einem Fachmann ausgemessenen Brille sieht er nach der Star-OP scharf, kontrastreich und entspannt.

Gibt es alternative Operationsmethoden beim Grauen Star?

Manchen Patienten wird vorgeschlagen, bei der Operation ein Auge für die Ferne und das andere Auge für die Nähe korrigieren zu lassen. Dieses Verfahren nennt sich Monovision. Der Patient kann nach der Operation mit dem einen Auge beim Autofahren deutlich sehen und mit dem anderen Auge ohne Brille lesen. In diesem Fall ist allerdings das beidäugige räumliche Sehen stark beeinträchtigt. Manche klagen nach der Operation über angestrengtes Sehen. Deshalb ist diese Methode nicht sehr verbreitet. Bevor ein Patient sich für sie entscheidet, sollte er eine fachliche Zweitmeinung einholen.

Neben den einfachen intraokularen Linsen, den monofokalen IOL, gibt es sogenannte multifokale intraokulare Linsen, die über zwei oder mehr Brennpunkte verfügen. Viele dieser Linsen haben ringförmige optische Zonen mit unterschiedlicher optischer Wirkung. Die Kunstlinsen liefern zum Beispiel beim Blick in die Ferne ein scharfes Bild, umgeben von einem unscharfen Nebenbild. Das Ergebnis: eine relativ gute Sehschärfe im Fernbereich und in der Nähe. Allerdings sind die Abbildungsqualität und der Bildkontrast deutlich schlechter als bei einer monofokalen intraokularen Linse. Insofern eignen sich multifokale Linsen eher für Personen, die nicht so hohe Anforderungen an ihre Sehqualität stellen.

Kann man einem Grauen Star vorbeugen?

Leider gibt es keinen 100prozentigen Schutz, im Alter am Grauen Star zu erkranken. Vorbeugend sollten jedoch Risikofaktoren gemieden werden. So ist es ratsam, sich vor der Sonnenstrahlung mit einer Brille, die das UV-Licht nicht durchlässt, zu schützen. Eine gesunde Lebensweise mit Rauchverzicht und Zurückhaltung beim Alkohol hilft ebenfalls dabei, die Augen gesund zu halten.

Wie oft sollten die Augen untersucht werden?

Leider gibt es keinen 100prozentigen Schutz, im Alter am Grauen Star zu erkranken. Vorbeugend sollten jedoch Risikofaktoren gemieden werden. So ist es ratsam, sich vor der Sonnenstrahlung mit einer Brille, die das UV-Licht nicht durchlässt, zu schützen. Eine gesunde Lebensweise mit Rauchverzicht und Zurückhaltung beim Alkohol hilft ebenfalls dabei, die Augen gesund zu halten.