Verschiedene Kontaktlinsenarten
Kontaktlinsen-Infos

Welche Kontaktlinse passt zu mir?

Welche Kontaktlinsen passen zu mir? Vorteile und Nachteile | © Yuri_Arcurs / iStockphoto.com
Experte Dr. Stefan Bandlitz Lesezeit Statistik

Video: Coronavirus und Kontaktlinsen

Gibt es die perfekte Kontaktlinse für alle?

Nein. Genauso wenig wie jedes Auge dem anderen gleicht. Augen sind so individuell wie Fingerabdrücke. Das eine verträgt weiche Tageslinsen aus Silikon-Hydrogel am besten, das andere kommt mit formstabilen Jahreslinsen gut zurecht. Es reicht für die Linsen-Wahl also nicht aus, nur die Augen-Werte zu kennen. Welche Linsen am besten geeignet sind, entscheiden Augenoptiker/Optometristen oder Augenärzte. Sie wählen nach ausführlicher Anamnese, Analyse des Tränenfilms, der physiologischen Gegebenheiten am Auge, der Fehlsichtigkeit und der Tragegewohnheiten die kleinen Sehhilfen aus und passen sie genau an.

Welche Kontaktlinsenarten gibt es?

Formstabil oder weich? Das ist die Kardinal- beziehungsweise die Materialfrage, wenn es um Kontaktlinsen geht. Beide Kontaktlinsenarten korrigieren die am weitesten verbreiteten Fehlsichtigkeiten: Weit- und Kurzsichtigkeit, Hornhautverkrümmung und Alterssichtigkeit. Diese wichtigen Eigenschaften besitzen beide Linsenarten.

Weiche Kontaktlinsen

Weiche Kontaktlinsen dominieren mit über 90 Prozent den Markt. Sie werden aus flexiblen, weichen Kunststoffen hergestellt. War es anfangs ein Hydrogel, besteht die neue Generation aus Silikon-Hydrogel, das sich aufgrund des Silikon-Anteils durch seine hohe Sauerstoffdurchlässigkeit auszeichnet. Weiche Kontaktlinsen sind größer als formstabile Linsen, verrutschen so kaum und sind spontanverträglich. Es gibt sie standardisiert zum häufigen Austausch (Wechsel täglich, 14-täglich oder monatlich) und als individuell gefertigte Linsen (Wechsel monatlich, halbjährlich bis jährlich).

Formstabile Kontaktlinsen

Die auch als harte Kontaktlinsen bezeichneten kleinen Sehhilfen bestehen aus formstabilem, sauerstoffdurchlässigem Kunststoff und können aufgrund ihrer Festigkeit individuell sehr genau gefertigt werden. Fehlsichtige sehen oft schärfer als mit weichen Linsen. Selbst komplizierte Hornhautverkrümmungen lassen sich mit formstabilen Kontaktlinsen bestens korrigieren. Da sie nicht die komplette Hornhaut bedecken und mit jedem Lidschlag von oben nach unten gleiten, wird der Tränenfilm ständig ausgetauscht und das Auge mit frischem Sauerstoff versorgt. Das anfängliche Fremdkörpergefühl der angebotenen Sehhilfen verschwindet in der Regel nach kurzer Zeit.

Welche Fehlsichtigkeiten können korrigiert werden?

Kontaktlinsen eignen sich für Menschen mit den verschiedensten Fehlsichtigkeiten. Weitsichtigkeit (Hyperopie), Kurzsichtigkeit (Myopie), Alterssichtigkeit (Presbyopie) und Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) sind die häufigsten Fehlsichtigkeiten.

Kurzsichtigkeit

Wer kurzsichtig ist, sieht in der Ferne unscharf, in der Nähe meist gut. Das liegt daran, dass entweder das Auge zu lang oder der Brechwert des Auges zu hoch ist. Möglich ist auch eine Kombination aus beiden. Die Lichtstrahlen aus der Ferne, die nur genau auf der Netzhaut ein scharfes Bild ergeben, vereinigen sich schon vor der Netzhaut. Es entsteht ein verschwommenes Bild. Die Dioptrienwerte der korrigierenden Kontaktlinsen werden mit Minuswerten angegeben.

Kurzsichtigkeit (Myopie) kann schon im Kindesalter beginnen. Als Ursachen werden neben der Vererbung auch diskutiert: zu wenig Tageslicht, zu viel Nahsehen – heutzutage herausgefordert durch das digitale Dauerfeuer von Tablet, Smartphone & Co.

Weitsichtigkeit

Bei den Weitsichtigen ist die Situation genau umgekehrt: Sie sehen in der Ferne scharf, alles Nahe aber meist verschwommen. Ursachen hier: ein zu kurzes Auge oder eine zu geringe Brechkraft des Auges. Die Lichtstrahlen bündeln sich erst hinter der Netzhaut, so entsteht ein unscharfes Bild. Die Dioptrienwerte der korrigierenden Kontaktlinsen liegen im Plusbereich.

Weitsichtigkeit (Hyperopie) ist angeboren, kann sich aber durch das Wachsen des Augapfels und dank der Aktivität der inneren Augenmuskeln (Akkomodation) verbessern. Im Erwachsenenalter lässt die Elastizität der Linse und deren Einstellfähigkeit allerdings peu à peu nach, jeder Normalsichtige braucht deshalb in der Regel ab dem 45. Lebensjahr eine Lesebrille.

Alterssichtigkeit

Im Alter werden die Arme länger, heißt es. Beispielsweise bei der Lektüre eines Buches. Das Lesen fällt immer schwerer. Die fortschreitende Sehschwäche im Nahereich beginnt in der Regel ab dem 40. bis 45. Lebensjahr. Hervorgerufen wird die Alterssichtigkeit (Presbyopie) durch eine weniger elastische Augenlinse, die Dinge in der Nähe nicht mehr scharf stellen kann.

Hornhautverkrümmung

Menschen mit einer Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) sehen im Vergleich zu Kurz- und Weitsichtigen die Welt in allen Distanzen unscharf und verzerrt. Ein kreisrunder Punkt wird nicht als solcher erkannt, sondern als Stab oder Ellipse. Dafür verantwortlich ist unter anderem eine ungleichmäßig geformte Hornhaut, die das einfallende Licht vertikal und horizontal unterschiedlich stark bricht. Normalerweise ist die Hornhaut gleichmäßig rund geformt. Der Astigmatismus tritt häufig zusätzlich zu einer Weit- oder Kurzsichtigkeit auf. Für diese Fehlsichtigkeit eignet sich in diesem Fall die torische Kontaktlinse.

Warum müssen Kontaktlinsen angepasst werden?

So wie Auge nicht gleich Auge ist, ist Kontaktlinse auch nicht gleich Kontaktlinse. Wer beispielsweise denkt, er könne mit seinen Brillenwerten Kontaktlinsen bestellen, der irrt! Die Werte dürfen nicht eins zu eins übernommen werden, weil der Abstand von Brille und Kontaktlinsen zum Auge verschieden ist. Auch bei den Linsen gibt es von Hersteller zu Hersteller Unterschiede. Obwohl mit den gleichen Parametern (Sehstärke, Basiskurve, Durchmesser) im Angebot, können die Kontaktlinsen durchaus verschieden ausfallen. Das betrifft ebenfalls das Material, den Komfort und die Sitz- und Benetzungseigenschaften.

Ohne die Maßarbeit der Kontaktlinsen-Anpasser geht es also nicht. Nur sie sind aufgrund der Augen-Untersuchungen (Sehstärke, Hornhaut, Augen und Tränenfilm) in der Lage, die optimalen Linsen entsprechend der Physiologie von Augen und Tränenfilm, dem Tragewunsch und den Lebensgewohnheiten des Kunden auszuwählen und anzupassen.

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Wie lange können Kontaktlinsen getragen werden?

Das hängt von vielen Faktoren ab: vom Einsatzzweck, von der Fehlsichtigkeit, der Augenbeschaffenheit der Kunden und natürlich von den Eigenschaften der Kontaktlinsen. Das Angebot ist riesig. Am beliebtesten sind Tages-, Monats- und Jahreslinsen. Darüber hinaus gibt es auch Wochen-, Dreimonats- und Halbjahreslinsen.

Tageslinsen

Der Name ist Programm: Tageslinsen werden maximal einen Tag lang getragen und danach entsorgt. Somit entfällt die Pflege der kleinen Sehhilfen. Die weichen Linsen punkten außerdem mit einer hohen Sauerstoffdurchlässigkeit. Wer die Linsen nutzt? Sportler, Partygänger, Reisende – überhaupt Menschen, die die Linsen nur gelegentlich tragen oder möglichst wenig Reinigungs- und Pflegeaufwand betreiben möchten.

Monatslinsen

Monatslinsen sind weiche Linsen, die nach 30 Tagen durch ein neues Paar ersetzt werden. Mit einer großen Auswahl und einem hohen Tragekomfort sind sie bei vielen Nutzern beliebt. Auch Menschen, deren Dioptrien-Werte sich häufiger ändern, greifen gern zu Monatslinsen. Die kleinen Sehhilfen können je nach Material und Kontaktlinsenverträglichkeit lange im Auge verbleiben. Das vorgeschriebene Austauschintervall darf nicht überschritten, die Hygiene muss strikt eingehalten werden.

Jahreslinsen

Jahreslinsen sind robust und können bei guter Pflege bis zu einem Jahr (formstabile Linsen) getragen werden. Von den Vorteilen der weichen und formstabilen Jahreslinsen profitieren vor allem Menschen, deren Sehstärke relativ konstant ist. Aufgrund ihrer Festigkeit spielen besonders formstabile Kontaktlinsen hier ihre Stärken aus. Sie können individuell sehr präzise gefertigt werden und korrigieren selbst hohe Fehlsichtigkeiten.

Wer sich für Jahreslinsen entscheidet, ist auf die Betreuung durch Kontaktlinsen-Spezialisten besonders angewiesen. Sie erklären die Pflege und überprüfen die Linsen in regelmäßigen Abständen.

Welche Kontaktlinsen bekommen meinen Augen am besten?

Unsere Tabelle gibt Auskunft, welche Kontaktlinsen für wen infrage kommen. Alles auf einen Blick: Fehlsichtigkeiten und Kontaktlinsen (Arten, Eigenschaften, Einschränkungen, Pflegeaufwand, Nutzungsdauer, Austauschintervalle, Eingewöhnungszeit).

Kontaktlinsen – alle Infos auf einen Blick

Formstabile Kontaktlinsen Weiche Kontaktlinsen
Welche Fehlsichtigkeiten können korrigiert werden?
  • Kurzsichtigkeit (Myopie)
  • Weitsichtigkeit (Hyperopie)
  • Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)
  • Alterssichtigkeit (Presbyopie)
  • Kurzsichtigkeit (Myopie)
  • Weitsichtigkeit (Hyperopie)
  • Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)
  • Alterssichtigkeit (Presbyopie)
Woraus bestehen die Kontaktlinsen?
  • formstabiler, sauerstoffdurchlässiger Kunststoff
  • flexibler, weicher, sauerstoffdurchlässiger Kunststoff
  • (Hydrogel, Silikon-Hydrogel)
Welche besonderen Eigenschaften haben die Linsen?
  • hohe Sauerstoffdurchlässigkeit
  • exakte Korrektur der Fehlsichtigkeit
  • gute Astigmatismuskorrektion
  • wenig Ablagerungen
  • lange Nutzungsdauer
  • hohe Sauerstoffdurchlässigkeit
  • hoher Spontankomfort
  • fester Sitz, verrutschen kaum
  • schnelle Eingwöhnungszeit
Gibt es Einschränkungen?
  • verrutschen leichter als weiche Linsen
  • für schnelle Sportarten und einige Berufsgruppen weniger geeignet
  • nicht alle Fehlsichtigkeiten wie starke Hornhautverkrümmung korrigierbar
Müssen die Kontaktlinsen angepasst werden?
  • ja
  • ja
Wie hoch ist der Pflegeaufwand?
  • intensiv bis überschaubar je nach Pflegesystem und Tragebedingungen
  • intensiv bis überschaubar je nach Pflegesystem, Tragebedingungen und Linsentyp
  • Tageslinsen werden gleich entsorgt
Welche Eingewöhnungszeit ist nötig?
  • bis zu mehrere Wochen
  • wenige Tage
Welche Austauschintervalle gibt es?
  • jährlich, 2 Jahre
  • täglich, 14-täglich, monatlich, halbjährlich, jährlich
Wie hoch ist das Verlustrisiko?
  • etwas höher als bei weichen Linsen
  • fallen so gut wie nie aus dem Auge