Kurzsichtigkeit (Myopie)
Kinder und Jugendliche, die unter Kurzsichtigkeit leiden, sehen Nahes scharf, während alles in der Ferne verschwommen erscheint. Dieser Sehfehler kommt in den ersten Lebensjahren eher selten vor. Er kann vererbt werden: Ist entweder Mutter oder Vater kurzsichtig, hat der Nachwuchs ein dreimal höheres Risiko, selbst kurzsichtig zu werden, als bei nichtmyopen Eltern. Sind beide Elternteile von Myopie betroffen, ist die Wahrscheinlichkeit sogar sechsmal so hoch, dass das Kind kurzsichtig wird.
In den meisten Fällen bildet sich die Fernsehschwäche erst im Laufe des Lebens heraus. Die sogenannte Schulkurzsichtigkeit (Schulmyopie) entwickelt sich ab dem sechsten Lebensjahr. Schuld daran sind neue Sehgewohnheiten und Alltagsabläufe. Schüler schauen häufiger in die Nähe – in Hefte und Bücher, aber auch auf Bildschirme und Displays. Das regt den Augapfel an, zu wachsen – Kurzsichtigkeit ist die Folge. Außerdem halten sich die Kinder und Heranwachsenden viel weniger an der frischen Luft auf als in der Kita-Zeit – ebenfalls ein begünstigender Faktor für das Entstehen von Kurzsichtigkeit. Bei einer stark ausgeprägten Kurzsichtigkeit von mehr als minus sechs Dioptrien besteht im höheren Alter die Gefahr von schwerwiegenden Folgeerkrankungen der Augen wie Netzhautablösung, Grünem Star oder Makuladegeneration.
Was tun bei Kurzsichtigkeit?
Ein kurzsichtiges Kind muss eine Brille oder Kontaktlinsen tragen. Damit lässt sich die Fehlsichtigkeit nicht beseitigen, aber korrigieren. Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle, ob und in welchem Maße sich die Kurzsichtigkeit weiter entwickelt.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde gerade bei Kindern und Jugendlichen – vor allem in Asien – eine starke Zunahme der Kurzsichtigkeit registriert. Das hat die Fachwelt alarmiert. Die Augenheilkunde forscht daher nach Möglichkeiten, das Risiko für eine Myopie zu senken, eine bestehende Myopie nicht weiter voranschreiten zu lassen, und sie sogar auszubremsen. Hier stehen spezielle Brillengläser zur Myopiekontrolle, Atropin-Augentropfen, Ortho-K-Linsen sowie multifokale Kontaktlinsen im Fokus. Ziel ist es, schwere Folgeerkrankungen einer starken Kurzsichtigkeit zu minimieren.
Vorbeugen ist besser als behandeln – das gilt auch für die Kurzsichtigkeit. Hier empfehlen Augenheilkundler eine Maßnahme, die nichts kostet und die von den Jüngsten bis zu den Heranwachsenden einfach anzuwenden ist: Täglich mindestens zwei Stunden raus an die frische Luft. Das senkt das Risiko, dass eine Kurzsichtigkeit entsteht oder sich stark ausprägt.
Hinweis für die Verkehrsteilnahme: Alle kurzsichtigen Kinder sehen ohne Brille Autos, Ampeln und andere Verkehrsteilnehmer unscharf. Deshalb müssen sie auf der Straße ihre Brille tragen. Anderenfalls kann es zu schweren Unfällen kommen!