Sehschwäche

Rot-Grün-Sehschwäche

Farbenblindheit Rot-Grün-Sehschwäche
Männer sind häufiger von einer Rot-Grün-Sehschwäche betroffen | Quelle: © Vanessa Bumbeers / Unsplash.com

Schöne bunte Welt. Leider sieht nicht jeder von uns sie gleichermaßen farbenfroh. Menschen mit einer Rot-Grün-Sehschwäche fällt es schwer, zwischen beiden Farben zu unterscheiden. Für die meisten ist das jedoch kein Problem. Sie kennen die Welt ja nicht anders. Die Rot-Grün-Sehschwäche ist angeboren und kommt bei Männern deutlich häufiger vor als bei Frauen.

Was ist eine Rot-Grün-Sehschwäche?

Die Rot-Grün-Sehschwäche ist eine Farbsinnstörung. Verantwortlich für das weniger bunte Treiben sind drei Photorezeptoren, die die Netzhaut unserer Augen für das Farbensehen nutzt. Die Rezeptoren reagieren auf unterschiedliche  Wellenlängen: die sogenannten Rot-Zapfen besonders empfindlich auf langwelliges Licht, die Grün-Zapfen auf mittelwelliges Licht, die Blau-Zapfen auf kurzwelliges Licht. Ist die Empfindlichkeit entweder der Rot- oder der Grün-Zapfen gestört, liegt eine Rot-Grün-Sehschwäche vor. Betroffene sehen Rot oder Grün schlechter als Normalsichtige.

Wo liegen die Ursachen für eine Rot-Grün-Sehschwäche?

Sie ist genetisch bedingt, also angeboren. Die Ursache: Sehpigmente sorgen in den Rezeptoren dafür, dass diese auf das Licht mit bestimmten Wellenlängen anspringen – das Sehpigment der Rot-Zapfen auf langwelliges Licht, das der Grün-Zapfen auf Licht mittlerer Wellenlänge.

Ist das Gen für das jeweilige Sehpigment fehlerhaft, verändert sich die chemische Struktur des Pigments. Der Rezeptor reagiert weniger gut oder gar nicht mehr auf Licht. Die Folge: Das Gehirn kann bei der nachfolgenden Sehreizverarbeitung nicht mehr exakt ermitteln, welche Farbe ein Sehreiz hatte. Fällt ein Rezeptor aus, leidet in erster Linie das Farbunterscheidungsvermögen.

Farbfehlsichtigkeit kann im Laufe des Lebens beispielsweise aber auch durch Krankheiten oder die Einnahme von Medikamenten verursacht werden. Einige Betroffene entwickeln dann unter anderem eine Blau-Gelb-Störung.

Wie sehen Menschen mit einer Rot-Grün-Schwäche?

Je nachdem, wie hochgradig die Sehpigmente gestört sind, sehen Menschen mit einer leichten Rot-Grün-Schwäche beide Farben mit wenigen Einschränkungen, während andere Rot oder Grün gar nicht erkennen und die beiden Farben miteinander verwechseln. Manche wissen auch nicht, dass sie überhaupt eine Rot-Grün-Schwäche haben. Oft bringt erst ein Sehtest Klarheit.

Menschen mit einer Grün-Schwäche (Deuteranomalie) erkennen grüne Töne nur vermindert, die Farbe erscheint matt. Wer eine Rot-Schwäche (Protanomalie) hat, sieht Rot sehr viel dunkler.

Bedienung: Bewegen Sie die Schieberegler hin und her um die beiden Seheindrücke miteinander zu vergleichen.


Warum haben deutlich mehr Männer eine Rot-Grün-Sehschwäche als Frauen?

Die Gene für die Sehpigmente der Rot- und Grün-Zapfen liegen auf dem X-Chromosom. Da Frauen bekanntlich zwei X-Chromosomen besitzen, kann ein normales X-Chromosom einen Fehler im zweiten Chromosom ausgleichen. Frauen entwickeln deshalb nur dann eine Rot-Grün-Schwäche, wenn beide X-Chromosomen ein fehlerhaftes Gen des Sehpigmentes aufweisen.

Männer haben hingegen nur ein X-Chromosom sowie ein Y-Chromosom. Auf dem Y-Chromosom befinden sich jedoch keine Gene für die beiden Sehpigmente und somit kein Ersatz für ein fehlerhaftes Gen des X-Chromosoms. Daher entwickeln 8 Prozent der Männer und nur 0,4 Prozent Frauen eine Rot-Grün-Schwäche. Die Grün-Schwäche ist dabei die häufigste Farbenfehlsichtigkeit.

Was tun, wenn Kinder eine Rot-Grün-Sehschwäche haben?

Keine Sorge: Die Sehschwäche verschlimmert sich nicht und das Kind kann ein ganz normales Leben führen. Beginnt die Schule, sollten Eltern allerdings von der Farbenfehlsichtigkeit ihrer Sprösslinge wissen. Denn später sind bei der Berufswahl bestimmte Tätigkeiten wie Polizist oder Pilotin mit einer ausgeprägten Rot-Grün-Sehschwäche tabu.

Gibt es einen Sehtest für die Rot-Grün-Schwäche?

Eine Möglichkeit, die Rot-Grün-Schwäche zu bestimmen, sind die sogenannten Ishihara-Tafeln: Sie zeigen viele Kreise unterschiedlicher Größen und Farben. Normalsichtige können darauf Zahlen oder Figuren erkennen, da sie durch Kreise dargestellt werden, die sich durch ihren Farbton von den anderen Kreisen unterscheiden. Menschen mit einer Rot-Grün-Schwäche fällt das schwer. Sie lesen eine falsche Zahl. Darüber hinaus gibt es Tests, bei denen die Betroffenen farbige Plättchen oder Ähnliches nach Farben sortieren müssen.

Außerdem können Augenärzte mit Hilfe eines sogenannten Anomaloskops die Stärke einer Rot-Grün-Schwäche messen. Die Betroffenen müssen dabei die Farbe eines Testfeldes an die Farbe eines Vergleichsfeldes anpassen. Schummeln ist kaum möglich.

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Was ist eine Rot-Grün-Blindheit?

Die Rot-Grün-Sehschwäche ist nicht zu verwechseln mit einer Rot-Grün-Blindheit, bei der rote und grüne Farbtöne überhaupt nicht mehr voneinander unterschieden werden können. Bei der Rot-,  beziehungsweise der Grün-Blindheit fehlt jeweils eine Photorezeptorenart vollständig. In extrem seltenen Fällen mangelt es sowohl an Rot-, als auch an Grünrezeptoren – dann handelt es sich um eine echte Rot-Grün-Blindheit.

Welche Unterschiede gibt es zwischen der Farbenblindheit und der Rot-Grün-Blindheit?

Menschen mit einer vollständigen Farbenblindheit (Achromatopsie) sehen keinerlei Farben, da alle drei Farbrezeptoren in der Netzhaut nicht funktionieren. Sie nehmen die Welt mit den Augen nur über Hell-Dunkel-Kontraste wahr. Da die Hell-Dunkel-Rezeptoren (die Stäbchen) aber nur in der Dämmerung und in der Nacht gut sehen können, kommen weitere Einschränkungen wie etwa eine extrem erhöhte Blendungsempfindlichkeit und eine sehr schlechte Sehschärfe hinzu. Eine vollständige Farbenblindheit ist bei Männern und Frauen äußerst selten.

Bei der Rot-Grün-Blindheit ist lediglich die Unterscheidung von Rot und Grün beeinträchtigt. Blau- und Gelbtöne können Rot-Grün-Blinde hingegen gut ausmachen.

Sind Farbsehschwäche und Farbenblindheit therapierbar?

Leider nein. Für die Betroffenen ist ihre Art zu sehen aber ohnehin normal, und sie sind oft nur gering eingeschränkt. Autofahren ist in der Regel auch kein Problem. Vorausgesetzt, die Farbfehlsichtigen sind darüber aufgeklärt. Menschen mit einer Rotstörung sehen beispielsweise rote Ampeln und die Bremslichter anderer Autos viel dunkler, erkennen sie schlecht und somit erst sehr spät. Bus, Bahn oder Taxi dürfen sie nicht lenken.

Bei einer milden Form der Rot-Grün-Sehschwäche versprechen spezielle Brillen und Kontaktlinsen mit Farbfilter Hilfe bei bestimmten Sehaufgaben. Heilen können sie die Sehschwäche aber nicht. Und auf Handys, Tabletts und Computerbildschirmen ist es möglich, in der Systemsteuerung Farben zu wählen, die bei einer Farbsehschwäche nicht so leicht verwechselt werden. Auch spezielle Apps helfen Menschen mit einer Rot-Grün-Schwäche, die Welt in den „richtigen Farben“ zu sehen.